An unserer Lesung in der Alten Stuhlfabrik in Herisau haben Ralf Bruggmann und ich am 25. Januar 2018 einen Briefwechsel bzw. Postkarten-Wechsel vorgetragen. 

 

Nachfolgend die Texte zum Nachlesen. Vielen Dank an Ralf Bruggmann, dass hier die Texte wiedergeben darf. Er betreibt übrigens selber einen Blog.

 

Viel Vergnügen bei der Lektüre.

1. Zeitreisen

Lieber Patrik

 

Ich schreibe dir nicht von einem Ort, sondern von einer Zeit. Ich schreibe dir nicht von einem kleinen Küstenstädtchen in Spanien, sondern von einem Moment, von einem Punkt in der Geschichte. Ich schreibe dir nicht von einem kleinen Bistro an der Champs-Élysées oder vom äussersten Rand Portugals, sondern von einer Insel im chronologischen Gefüge, das wir Leben nennen, ohne uns Gedanken zu machen, ob es diese Bezeichnung überhaupt verdient.

 

Es gibt diese Filme über Zeitreisen. Zurück in die Zukunft. Terminator. Die Zeitmaschine. Planet der Affen. 12 Monkeys. In den meisten dieser Filme wird das Reisen durch die Zeit als etwas Aussergewöhnliches beschrieben, als höchst komplexe Aktion, die zumindest die Regeln der Logik und zumeist auch noch einige andere Gesetze bricht. Doch eigentlich sind Zeitreisen die einfachste Sache der Welt. Erinnerst du dich noch, wie du zum ersten Mal den Film Zurück in die Zukunft gesehen hast? Dann hast du bereits eine Zeitreise unternommen. Denn das Erinnern ist doch nichts anderes als eine Reise durch die Zeit. Natürlich sind dabei nur Reisen in die vergangene Zeit möglich, Reisen in die Vergangenheit. Doch eine Reise in die Zukunft erscheint mir gar nicht sonderlich erstrebenswert. Dort, in der Zukunft, kommen wir noch früh genug an.

 

Wo auch immer du bist und in welche Zeit auch immer du unterwegs sein magst: ich wünsche dir gute Reise.

 

Herzliche Grüsse

 

Ralf 

Lieber Ralf

 

Je älter wir werden, desto mehr Vergangenheit sammelt sich an. Voller Erinnerungen kurve ich durch die Hügel und werde von kläffenden Hunden verfolgt. Sie jagen mich fort, weil ich hier nichts mehr zu suchen habe. Heimat ist ein Verlustgeschäft.

 

Gerne würde ich behaupten, dass ich nichts bereue. Doch das wäre eine Lüge. Ich bereue vieles. Aber im Nachhinein lässt sich nichts mehr ändern. Es ist, wie es ist. Es gibt kein zurück. Es geht immer weiter und weiter.

 

Und so kurve ich durch die Hügel. Freue mich auf die Höhen und fürchte mich vor den Tiefen. Rauf und runter.

 

Wir sind Wellenreiter. Mal wolkig, mal heiter. Immer weiter, alter Freund. Das schönste waren schon immer die leeren Seiten. Der Neuanfang inmitten der kläffenden Hunde.

 

Herzliche Grüsse

 

Patrik

 

2. Hast Du Zeit?

Lieber Patrik

 

Kennst du jene Menschen, die behaupten, sie hätten keine Zeit? Sie sind häufig kurzatmig, blicken sich nervös um, kratzen sich an der Schläfe oder machen andere hektische Bewegungen mit den Fingern, und dann sagen sie: Ich habe keine Zeit. Oder manchmal auch: Ich habe gar keine Zeit. Oder: Ich habe überhaupt keine Zeit. Als ob es für dieses Fehlen von Zeit eine Steigerung bräuchte. Als ob etwas, das nicht da ist, noch mehr fehlen könnte. Es ist ziemlich traurig, wenn die Zeit fehlt. Was hat man denn sonst noch? Man braucht sie doch, die Zeit. Jeder Atemzug braucht Zeit. Jedes gesprochene Wort braucht Zeit. Jeder Flügelschlag einer Krähe braucht Zeit. Jedes Kinderspiel braucht Zeit. Jede Umarmung braucht Zeit. Jeder Kuss braucht Zeit. Das Leben braucht Zeit. Sogar der Tod braucht Zeit.

 

Die Menschen, die keine Zeit haben, sind sie denn zeitlos? Natürlich nicht, Zeitlosigkeit umschreibt zumeist, dass etwas nicht an einen Moment oder eine Phase der Zeit gebunden ist. Zeitloses Design zum Beispiel, es ist weder futuristisch noch barock, es ist weder retro noch modern. Es ist zwar nicht sonderlich stilvoll, aber es hält dem Lauf der Zeit stand. Ich glaube nicht, dass Menschen, die behaupten, sie hätten keine Zeit, dem Lauf der Zeit standhalten können. Diese Menschen, sie waren nicht da, als die Krähe mit den Flügeln schlug. Sie waren nicht da, als die Kinder spielten. Sie waren nicht da beim Küssen und Umarmen und Leben. Ich glaube, früher oder später sehnen sie sich nach jener Zeit, die sie so häufig nicht zu haben glaubten. Doch dann ist es mitunter schwierig, diese Zeit noch zu finden. Denn auch die Zeit an sich ist nicht zeitlos.

 

Ich hoffe, du hast Zeit.

 

Herzliche Grüsse 

 

Ralf 

***

Lieber Ralf

 

Nein, ich habe keine Zeit.

 

Zeit wird einem heute nicht mehr zugestanden. Alles muss schnell und gleichzeitig passieren.  Wir sind Nutztiere. Esel mit Smartphones. Das Leben ist eine einzige Pendenzenliste. Wenn ich mal sterbe, werden die Angehörigen an der Abdankung bestimmt daran erinnern, was ich alles nicht erledigt habe. Ich Schuft ich.

 

Es tut mir ja leid. Aber ich habe keine Lust auf Pendenzenlisten. Ich will nichts tun, ausser mich mit mir langweilen. Ich will mir keine Zeit nehmen für die Steuererklärung oder Fussball oder nichtssagende Gespräche. Ich will bloss auf dem Stuhl sitzen und die Zeit totschlagen. Mit Wein und Literatur, mit Musik und Tinte. An der Türe installiere ich Sprengfallen, damit mich niemand stört.

 

Ich will keine Zeit haben, für nichts und niemanden. Ich will mich bloss mit mir langweilen und die Zeit totschlagen.

Ein seltsamer Gedanke: die Zeit totschlagen. Ich stelle mir das ein wenig vor wie früher am Dienstagabend im Krimi: Ein Büro in einer Villa, ein grosser Schreibstisch, ein Büchergestell und am Boden auf dem Perserteppich liegt die Zeit - tot, mausetot. Schnitt. Harry fährt den Wagen vor.

 

Wie das wohl wäre, so ganz ohne Zeit? Würden die Uhren aufhören zu ticken? Was würde die Lücke füllen, wenn die Zeit bloss noch eine Erinnerung wäre?

 

Wahrscheinlich würden wir es schrecklich vermissen, wenn wir effektiv keine Zeit mehr hätten.

 

Man sagt doch, die Zeit heilt die Wunden. Ohne Zeit würden wir verbluten.

 

Dann lasse ich die Zeit besser am Leben.

 

Herzliche Grüsse    

 

Patrik 

 

3. Wie gingen wir damals mit der Liebe um?

Lieber Patrik

 

Ich vergesse bisweilen den Namen meiner ersten Freundin. Also meiner ersten festen Freundin, wie man das damals nannte. Der Nachname entfällt mir ziemlich oft, manchmal auch der Vorname. Dann ist diese Freundin einfach verschwunden, ist ausgelöscht, gerade so, als hätte es sie gar nie gegeben. Wenn ich mich dann erinnere, freue ich mich darüber, als ob ich etwas gefunden oder entdeckt hätte. Dabei ist es nur die Erinnerung an etwas, das verloren ging.

 

Wie gingen wir damals mit der Liebe um? Was machte sie mit uns, was löste sie in uns aus? Manchmal wundere ich mich, ob uns die Unbeholfenheit bewusst war, mit der wir liebten. Wahrscheinlich nicht. Auch frage ich mich, wie sich die Tatsache, dass uns diese Unbeholfenheit allmählich abhanden gekommen ist, auf die Liebe ausgewirkt hat. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass uns nicht nur die Unbeholfenheit entglitten ist. Die Liebe, sie wurde... Ich weiss nicht... Sie wurde ernsthaft.

 

Einmal hatte ich mich mit meiner ersten festen Freundin beim Sportzentrum in Herisau verabredet. Ich glaube, es war HEMA, vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls erinnere ich mich, wie ich beim Sportzentrum auf sie wartete. Irgendwann kam sie auch, doch sie tat es nicht in der üblichen Fortbewegungsgeschwindigkeit, nein; sie rannte. Ich will sie nicht schlecht machen oder verunglimpfen, doch als sie damals auf mich zu rannte, sah sie sehr seltsam aus. Irgendwie plump und zugleich überfordernd. Ich würde gerne schreiben, dass mich dieser Anblick befremdete, doch es war kein Befremden, das ich empfand. Es war Angst. Einfach Angst. Zwar wusste ich nicht genau, wovor ich Angst hatte, aber ich kannte das Gefühl genau. Einige Tage später trennte ich mich von meiner ersten festen Freundin. Vielleicht war es die erste Entscheidung, die der Ernsthaftigkeit der Liebe geschuldet war.

 

Übrigens weiss ich im Moment, wie sie hiess, meine erste feste Freundin. Doch der Name, er tut eigentlich nichts zur Sache.

 

Herzliche Grüsse 

 

Ralf

***

Lieber Ralf

 

Früher habe ich mir am Schaufenster der Liebe die Nase plattgedrückt. Immer mit ein bisschen zu vielen Gedanken im Kopf. Heute schwanke ich nicht mehr zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, sondern bewege mich im lauwarmen Bereich, in der verkehrsberuhigten Zone.

 

Bei Gefühlen kann man sich allerdings nie sicher sein. Gerade glaubt man noch, dass man ganz cool Herr der Lage ist, doch dann schlagen sie plötzlich aus dem Hinterhalt zu. So wie kürzlich beim Fussball. Vor ein paar Jahren war ich da noch mit viel Eifer dabei und konnte an der Seitenlinie leidenschaftlich wie ein Südländer sein. Irgendwann verlor ich diese Leidenschaft. Wenn auf dem Platz gekickt wird, schaue ich in der Regel schon gar nicht mehr zu.

 

Irgendwie vermisse ich ja diese Leidenschaft. Aber was will man machen? Fussball lässt mich kalt. Schliesslich habe ich schon alles tausendmal gesehen: Der Ball wird nach links gepasst, der Ball wird nach rechts gepasst, eine Flanke landet im Schrebergarten, der Schiri ist ein Schafseckel und der Stürmer nicht so gut im Schuss. Zum Fussball geht man, um mit den Kollegen Bier zu trinken und Bratwurst zu essen.

 

Doch dann hämmerte Bushati kürzlich in der Nachspielzeit gegen Servette den Ball in den Winkel. Reflexartig wie bei einem Köter, dem man auf den den Schwanz tritt, setzte die Reaktion ein: Arme in die Höhe, Jubelschrei, hüpfen, einander in die Arme fallen. Da war sie wieder: die alte Leidenschaft.

 

Fussball und Liebe sind natürlich zwei Paar Schuhe. Beim einen geht es um nichts, beim anderen um alles. Wobei Liebe auch viel mit Einbildung zu tun. Denn was mit übersteigerten Erwartungen beginnt, endet oft am Samstagvormittag in der Migros in gegenseitigen Vorwürfen. Es ist manchmal deprimierend, das ganze Ausmass der Zweisamkeit mitzuerleben. Olma, Fasnacht, Oktoberfeste sind Zusammenkünfte gestrandeter Wale, die sich nach Wasser sehnen.

Deshalb bilde ich mir lieber nichts mehr ein.

 

Herzliche Grüsse

 

Patrik 

4. Weisst Du noch?

Lieber Patrik

 

Weisst du noch, wie wir immer gesagt haben: Weisst du noch? Wir haben uns daran erinnert, wie wir uns erinnert haben. Wir dachten zurück an einen Moment, an dem wir zurückdachten an einen anderen Moment, einen noch weiter zurückliegenden Moment. Weisst du noch?

 

Ich erinnere mich an ein kurzes Gedicht von Erich Fried. Das Gedicht, es heisst Vielleicht. Vielleicht heisst es auch anders. Jedenfalls handelt das Gedicht, an das ich mich erinnere, vom Erinnern. Es geht so: Erinnern, das ist vielleicht die qualvollste Art des Vergessens und vielleicht die freundlichste Art der Linderung dieser Qual. Ich weiss nicht genau, warum ich mich an dieses Gedicht so gut erinnere. Vielleicht, weil ich die Wörter Vielleicht und Erinnern so sehr mag. Ich mag die freien Räume, die das Vielleicht eröffnet. Und ich mag die Schätze, die sich beim Erinnern immer wieder entdecken lassen. Zwar weiss man stets, dass es diese Schätze gibt. Doch erst beim Erinnern erinnert man sich daran, wo sie vergraben liegen.

 

Erinnern ist gut. Erinnern ist wichtig. Doch wie viel Wahrheit liegt denn eigentlich im Erinnern? Wie nahe an der Wahrheit bleiben die Dinge in unserem Gedächtnis? Ist das Erinnern in gewisser Hinsicht ein kreativer Akt?

 

Wenn ich dich frage, ob du noch weisst, wie wir damals in der Ruine Rosenburg Wein getrunken und Zigaretten geraucht haben, ist dann das Bild, das entsteht, das tatsächliche Bild von damals? Oder ist es ein neues Bild, ein Bild, das du in diesem Moment von damals malst? Oder ist da vielleicht gar kein Bild? Und falls da kein Bild sein sollte, liegt es dann daran, dass du dich nicht mehr erinnerst? Oder ist es vielleicht meine eigene Wahrheit, die nicht der Wahrheit entspricht?

Wie auch immer... Weisst du noch?

 

Herzliche Grüsse 

 

Ralf

 

***

Lieber Ralf 

 

Ich mag Erinnerungen. Das was wir erlebt haben, macht uns aus. Ich mag es zu erfahren, was einen Menschen ausmacht. Nur decken die Menschen selten die Karten auf. Man gibt sich ja keine Blösse.

 

Ich mag es, wenn sich die Menschen eine Blösse geben. Alle streben nach Perfektion. Aber nichts ist langweiliger als Perfektion.

 

Das Scheitern ist spannender.

Weisst du noch, wann wir gescheitert sind?

 

Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mal auf der Ruine Rosenburg waren, Wein getrunken und Zigaretten geraucht haben. Erzähl mehr von diesem Abend. Wer war alles dabei? Ich habe längstens alle von damals aus den Augen verloren. Ich würde mich gerne wieder einmal an diese Zeiten erinnern.

 

Manchmal dünkt mich alles zwei oder drei Leben her zu sein. Die Kulisse ist noch dieselbe, aber das Stück ist ein anderes.

 

Aber immer wenn mich die Neugier packt, frage ich mich, was das Erinnern bringt. Was bringt mir mein altes Leben heute noch? Wozu soll ich mit Nostalgie die Zeit verplämperln.

 

Die Zukunft ist spannender.

 

Herzliche Grüsse

 

Patrik 

5. Heimat

Lieber Patrik

 

Vorhin habe ich mich gefragt, wo meine Heimat ist. Wenn jeder Mensch eine Heimat hat, dann habe auch ich eine Heimat, denn ich bin wohl unweigerlich ein Mensch. Doch wenn ich erklären müsste, wo meine Heimat liegt, würde ich zweifellos ins Stottern geraten. Ich würde wahrscheinlich nachfragen, wie denn die Frage gemeint ist. Meinst du denn die geografische Heimat?, würde ich fragen. Oder die emotionale Heimat? Darf man mehr als eine Heimat haben? Und wie lautet eigentlich die Mehrzahl von Heimat? Heimaten? Der Duden bestätigt mir, dass es Heimaten heisst, doch ich habe noch nie gehört, wie jemand von Heimaten gesprochen hat. Womöglich ist es mir auch einfach nicht aufgefallen.

 

Wenn ich über Heimat nachdenke, fällt mir auf, wie selten ich über Heimat nachdenke.

 

Ich weiss nicht, ob mir der Begriff so fremd ist, weil ich selten darüber nachdenke. Oder ob ich selten über den Begriff nachdenke, weil er mir so fremd ist. Es ist so ähnlich wie mit dem Ei und dem Huhn. Was war zuerst? Was entstand woraus? Jedenfalls ist mir Heimat ein Fremdwort.

 

Es gibt sehr schöne Wörter, die als Fremdwörter gelten. Inkommensurabel zum Beispiel. Oder Konnotation. Oder Ambivalenz. Obsolet, redundant, adäquat. Ich mag diese Wörter, ich mag ihren Klang, ich mag, wie sie sich lesen. Doch ich könnte nicht mit ihnen hantieren, wenn es darum ginge, mich selbst zu beschreiben. Ich kann über mich nicht in Fremdwörtern reden. Und darum kann ich vielleicht auch nicht darüber sprechen, was mir Heimat bedeutet.

 

Heimat ist mir zu abstrakt, zu theoretisch. Ich mag den Begriff Zuhause. Ich weiss wahrscheinlich nicht, wo meine Heimat ist. Aber ich weiss, wo ich zu Hause bin.

 

Herzliche Grüsse 

 

Ralf

Lieber Ralf

 

Ich entdecke immer wieder meine Heimatgefühle. Ich muss nicht einmal viel machen, sie sind einfach da. Beispielsweise, wenn kurz nach Zürich der Säntis auftaucht. Oder wenn im Radio das Landsgemeindelied ertönt. Dann spüre ich tief in mir drin, diese Verbundenheit. Ich kann nichts machen. Ich bin Appenzeller. Und zwar ein Ausserrhödler aus Herisau.

 

Herisau ist meine Heimat, mein Nest. Vieles mag ja nicht so toll sein, man kann aber trotzdem ziemlich gut leben hier. Deshalb mag ich gar nicht gross jammern. Seit ich klein war, ermöglicht mir Herisau auch immer wieder Chancen. Im Pfadiheim hatten wir Ruhe vor den Erwachsenen und im Proberaum im damals noch abgewrackten Jugendzentrum sowieso. Ob die Jugendlichen heute immer noch solche Freiräume geniessen? Ich hoffe es für sie, habe aber meine Bedenken. Heute will man alles kontrollieren, begleiten, fördern, optimieren. Uns liessen die Erwachsenen einfach gewähren.

 

Dafür haben wir gemacht statt konsumiert. Das prägt. Es erstaunt mich insofern nicht, dass in Herisau immer noch viele Leute in den Vereinen mitmachen. Unvorstellbar, wie engagiert die Leute in ihrer Freizeit sind. Was hier an Zeit für das Vereinsleben geopfert wird, ist unbezahlbar. Man stelle sich mal vor, die Vereine würden alle auf einen Schlag ihre Aktivitäten einstellen. Das Dorf wäre tot.

 

Manchmal mag ich es aber auch, wegzugehen, den Kopf zu lüften, Haken zu schlagen. Ich mag es, mit dem Tram durch Zürich zu fahren. Alles vermischt sich immer wieder aufs Neue in diesen ruckelnden Kaleidoskopen: Männlein, Weiblein, Schweizer, Ausländer, Krawattenträger, Junkie, Künstler, Banker, Kindergärtler, Juden, Moslems, Zeitungsleser, Musikhörer, Sportler, Rollstuhlfahrer.

 

Das eigenartige, jedenfalls, was mich betrifft, ist, dass man auch in der Fremde immer wieder das heimatliche sucht. So freue ich mich zum Beispiel in Zürich über die Wirtshausschilder, auf denen Appenzeller Bier steht. Man fühlt sich doch gleich ein wenig zu Hause. Oder im Ausland ist mir schon aufgefallen, dass die Schweizer immer Hügel suchen, von welchen sie runter blicken und sich eine Übersicht verschaffen können.

 

Die Heimat prägt, ob wir wollen oder nicht.

 

Herzliche Grüsse

 

Patrik