Die Nacht im Null-Stern-Hotel

Die Neugier bei den Kollegen war gross: "Wie war die Nacht im Null-Stern-Hotel?", wollten alle wissen. Denn ich durfte die Nacht vom 17. auf den 18. Juli 2017 auf der Göbsi bei Gonten verbringen und im Hotelzimmer ohne Dach und Wände schlafen. Dass es überhaupt dazu kam, ist keine Selbstverständlichkeit. Ich fragte nämlich ganz arglos beim Ausserrhoder Tourismuschef Urs Berger nach und erfuhr, dass eine Warteliste besteht. Inzwischen umfasst sie über 1700 Namen. Auf meinen Anruf hatte er also nicht gewartet. Erfreulicherweise ergab sich dann aber doch eine Gelegenheit. 

 

Ursprünglich hatte ich einen Erfahrungsbericht geplant. Unerwartet erschien dann aber einige Tage früher ein solcher im Ostschweiz-Teil des Tagblatts. Also musste ich umplanen. Schliesslich ergab sich ein "Null-Stern-Talk" zur Nachhaltigkeit des Projekts. Denn Patrik Riklin, zusammen mit Bruder Frank Urheber der Kunstaktion, fand es reizvoll quasi einmal "unter das Bett" zu schauen. Die Diskussionsrunde komplettierten Monika Bodenmann und Urs Berger von Appenzellerland Tourismus AR und Sepp Breitenmoser vom Hof Weissbad.  

Null-Stern-Talk: Urs Berger, Köbi Dietrich, Monika Bodenmann, Sepp Breitenmoser, Patrik Kobler, Patrik Riklin

 

Treffpunkt mit Butler Köbi Dietrich war um 19.15 Uhr beim Bahnhof Gonten. Er ist Pächter auf der Göbsi und amtet nebenher als Chefbutler. Eine Aufgabe, die er mit grosser Begeisterung erledigt.

Auf der Alp angekommen, mussten wir erst einmal die schöne Landschaft geniessen. Es ist ein wunderschöner Fleck Erden im Grenzgebiet von Appenzeller Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Die Alphütte liegt auf Ausserrhoder Gebiet, das Null-Stern-Bett auf Innerrhoder. Die Göbsi liegt am Wanderweg von Gonten zur Hundwilerhöhi. Das Panorama ist eindrucksvoll. Man sieht den Säntis, den Kronberg, den Hohen Kasten, die Hochalp. Man sieht Appenzell und Schwellbrunn und Urnäsch und und und. Ausserdem hatten wir einen herrlichen Sommerabend erwischt. Es war angenehm warm und es drohte kein Regen. Die Übernachtung im Null-Stern-Hotel ist nur möglich, wenn es nicht regnet. Andernfalls kann man in der Hütte übernachten und kriegt zum Trost einen Dreigänger vom "Bären Gonten" spendiert. 

Die Nacht im Bett war angenehm. Unter der Decke war es auch nicht kalt. Zum Glück haben sich auch die Insekten verzogen, die bei unserer Ankunft noch allgegenwärtig waren. Das Schlafen neben weidenden Kühen und unter dem Sternenhimmel hat Spass gemacht. Zudem war ich früh wach und konnte den Sonnenaufgang miterleben. Später bin ich wieder eingeschlafen und erschrack doch ziemlich, als uns Butler Köbi um 7.30 Uhr Kaffee ans Bett servierte.

 

Das Frühstück gab es anschliessend in der Alphütte. Hier hat man Familienanschluss. Köbi und seine Kinder waren auch da und wir konnten uns gut mit ihnen unterhalten. Es ist wirklich alles sehr herzlich und ungekünstelt. Wir durften auch einen Blick ins Gästebuch werfen und erfuhren so, dass es schon Heiratsanträge im Null-Stern-Hotel gegeben hat. Auch eine hochschwangere Frau habe schon übernachtet, erzählte Köbi.

Das Frühstücksbuffet in der Alphütte. 

 

Wir haben die Nacht im Null-Stern-Hotel sehr genossen. Es ist zu hoffen, dass das Kunstprojekt andere zu weiteren tollen Ideen inspiriert.