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Ein Abenteuer in Norditalien

Jessy Stephan, Patrik Kobler, Sacha Rüede, Samira Herren. Bild: Pascale Müller
Jessy Stephan, Patrik Kobler, Sacha Rüede, Samira Herren. Bild: Pascale Müller

Kürzlich habe ich eine neue Facette von Sacha Rüede kennengelernt. Er ist wie ich in Herisau aufgewachsen und wir zur gleichen Zeit bei der SBB die Lehre gemacht. Danach haben wir uns aus den Augen verloren, bis er in diesem Jahr zusammen mit Lukas Zolliker eine Fotoausstellung im Alten Zeughaus organisiert hat. Dort habe ich ihn wiedergesehen und festgestellt, dass er ein spezielles Hobby hat:. Er ist Lost-Place-Fotograf. Er fotografiert in Geisterhäusern. Ich habe ihm angeboten, ihn einmal für eine Reportage zu begleiten. Und tatsächlich erhielt ich schon kurz darauf via Facebook-Massenger das Aufgebot. Es klang fast wie in einem Agentenfilm: 10 Uhr, in einem Café in Norditalien. Den genauen Standort darf ich nicht nennen, das habe ich ihm versprochen. Die Lost-Place-Fotografen halten ihre Lokalitäten geheim. Erstens ist der Zutritt meistens verboten und zweitens wollen sie keinen Menschenauflauf im Gebäude.

 

Ich bin dann schon einen Tag früher angereist und Sacha hat mich zu sich ins Hotel eingeladen, wo er sich mit dem Rest der Crew einquartiert hatte: die Models Samira Herren und Jessy Stephan sowie die Visagistin Pascale Müller. Die Fahrt über den San Bernardino war mühsam. Es hatte an diesem Sonntagnachmittag viel Verkehr und kurz vor dem Tunnelportal staute sich plötzlich der Verkehr. Ein 85-jähriger Automobilist war auf die Gegenfahrbahn geraten und hatte einen Unfall verursacht. Zum Glück konnte ich nach kurzer Wartezeit gerade noch die Ausfahrt auf die Passstrasse nehmen. Auf der Südseite ging es aber auch nur schleppend vorwärts, da die Strasse bis weit ins Tal hinunter gesperrt war. Mit den Reisenden in die Gegenrichtung hatte ich fast Mitleid - vor allem mit den Familien. Es war sicher kein Vergnügen solange im Stau zu stehen. 

 

Gegen 19 Uhr kam ich dann aber im Hotel an. Sacha hat sich einen richtigen Palast ausgesucht. Zudem kriegten wir ein Upgrade auf eine Junior-Suite. Läck Bobby. 

Die Sitzecke in der Junior-Suite.
Die Sitzecke in der Junior-Suite.

Beim Nachtessen lernte ich alle kennen. Sie waren sehr freundlich und voller Vorfreude aufs Shooting vom nächsten Tag. Das Essen war auch sehr fein. Als Vorspeise hatte ich ein Carpaccio mit Beeren. Das war einfach himmlisch. Samira stammt aus dem Wallis, Jessy aus Deutschland. Trotzdem gab es keine Verständigungsprobleme. 

 

Am nächsten Morgen ging es dann los. Weil wir ein so schönes Zimmer hatten, bestellte Sacha die Models spontan für ein Shooting ins Zimmer. Ich drehte derweil eine Runde im Städtchen und machte es mir auf der Terrasse mit der schönen Aussicht bequem. Anschliessend ging es in die Berge zum ehemaligen Kinderheim. Seit gut 30 Jahren steht es leer. Der Zugang ist mit einem Gitter versperrt. Sacha der schön öfter in diesem Gebäude fotografiert hat, kannte aber einen Weg ins Haus. Etwas Gymnastik war dazu aber nötig. 

 

Der erste Eindruck im Gebäude war dann etwas unheimlich. Schliesslich konnten wir ja nicht wissen, wen oder was wir hier antreffen würden. Fast als erstes standen wir in der einstigen Kapelle, wo Vandalen die Wände mit teuflischen Botschaften verschmiert haben. Auf einem Stuhl lag eine Puppe. Weshalb bloss? 

Sacha führte uns durchs ganze Gebäude. Überall verschmierte Wände, Dreck und Räume an denen der Zahn der Zeit nagt. In einem ehemaligen Waschraum wächst ein Baum durch den Boden und einem anderen breiten sich die Kletterpflanzen aus. So richtig heimelig ist der Ort ist. Zum Glück haben wir keine anderen Leute angetroffen. 

Das Shooting selber lief professionell ab, auch wenn Sacha Hobbyfotograf ist und hauptberuflich Leiter Lokpersonal bei der BLS ist. Er wusste genau, wie er die Models in Szene setzen wollte. Die ersten Aufnahmen machte er in seinem Lieblingsraum - dem Efeu-Zimmer. Zuerst posierte Samira und anschliessend Jessy im Hochzeitskleid darin. Sacha machte jeweils 10 bis 20 Aufnahme und zeigte sie dann den Models, die auch ihren Kommentar dazu abgeben konnten. Die Atmosphäre war sehr entspannt. Das muss wohl auch so sein - "nur so entstehen gute Bilder", sagte Sacha, der auch schon das Gegenteil erlebt hat und das Shooting dann frühzeitig beendet hat. Dieses Mal lief aber alles wie am Schnürchen. Rund zwei Stunden lang schoss er Bild um Bild. Bei sich zu Hause hat er die Farbbilder anschliessend zu Schwarz-Weiss-Aufnahmen umgewandelt, weil sie ihm so besser gefallen. 

 

Es sind einige sehr schöne Bilder entstanden. Sie sind auf seiner Homepage zu sehen: www.sacharueede.ch 

 

Für mich war der Trip auch ergiebig, spannend und inspirierend. Der Ausflug nach Norditalien war ein kleines Abenteuer. Sachas Hobby finde ich sensationell. Wir haben mit schönenFrauen einen schönen Abend in einem schönen Hotel verbracht und am anderen Tag einen spannenden Tag im Geisterhaus verbracht. Als Erinnerung bleiben einmalige Fotos und Eindrücke. Ausserdem habe einige wirklich nette Leute kennengelernt. Was will man mehr? Ich werde diese 24 Stunden nicht so schnell vergessen. 

 

Hier geht's zur Reportage in der Appenzeller Zeitung. Mehr lesen

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