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Zwei Sandkastenfreunde lesen in der Stuhlfabrik

Eine Lesung macht man auch nicht jeden Tag. Jedenfalls ich nicht. Schliesslich bin ich Lokaljournalist und kein Schriftsteller. Von Philipp Langenegger war ich jedoch eingeladen worden, am 25. Januar in der Alten Stuhlfabrik ein paar Texte vorzutragen. Das nahm ich zum Anlass, nach einigen Jahren Funkstille, wieder mit einem alten Freund in Kontakt zu treten und Ralf Bruggmann als Verstärkung auf die Bühne zu holen. Ralf hat 2016 den Literaturland-Wettbewerb gewonnen – und zwar sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis. Der Mann kann also als Schriftsteller etwas – ganz im Gegensatz zu mir: Ich habe noch nie Literatur verfasst. 

Ralf und ich sind im gleichen Quartier aufgewachsen. Er im Schwarzen Haus bei der Cilander, ich im Hölzli, wo heute die Metrohm steht. Irrtum vorbehalten sind wir schon miteinander in den Kindergarten. Später waren wir – daran erinnern wir uns noch – Schulkollegen.

 

Wir verbrachten auch in der Freizeit viel Zeit miteinander. Im Sandkasten haben wir zwar wohl eher seltener gespielt, dafür umso mehr auf dem Teerplatz beim Schwarzen Haus, wo wir mit anderen Kollegen zusammen mit Ball und Chnebel den Hockeystars nacheiferten. Als Teenager waren wir Pfadileiter und später war Ralfs Wohnung in St.Gallen das Zentrum unserer Clique. Bevor ich in die RS einrückte, war er es auch, der mir mit der Haarschneidemaschine eine Kurzhaarfrisur verpasste. 

Wie es halt so geht im Leben, haben wir uns irgendwann aus den Augen verloren. Jetzt kam es also zum Wiedersehen auf der Bühne der Alten Stuhlfabrik. Im Publikum sass sogar unsere ehemalige Lehrerin Barbara Brunner. Ralf und ich haben einige Texte sowie einen Briefwechsel bzw. einen Postkartenwechsel vorgetragen. Ausserdem hat uns Gastgeber Philipp Langenegger einige Fragen gestellt. 

Für mich was es ein spannender Abend. Es machte Spass, mit Ralf auf der Bühne zu stehen. Das hätten wir uns als Kinder nie träumen lassen. Allerdings war ich schon etwas nervös, schliesslich lese ich selten vor Leuten meine Texte vor. Vor allem nicht, wenn gleichzeitig auch noch ein talentierter Schriftsteller auftritt. Ich musste ja fürchten, bös abzuschiffen. Aber: Das Publikum war wohlwollend. Die Rückmeldungen waren positiv. Merci! 

 

Vielen Dank an alle, die den Abend besucht haben. Vielen Dank an Philipp Langenegger für die Einladung. Und ein herzliches Dankeschön auch an "Stadionwirt" Ralf Menet, der seinen Teil zur gemütlichen Ambiance in der Stuhlfabrik beiträgt. Es ist einfach ein wunderbarer Ort.

 

Philipp hat gefragt, wen ich als Gast von "Stuhlfabrik liest" sehen möchte. Ich habe Max Küng, grandioser Kolumnist des "Magazins" vorgeschlagen. Mal schauen, ob es klappt. Sonst kommen mir noch etwa hundert andere Namen in den Sinn. 

 

Einen Magic Moment gab es übrigens, als die Leute schon weg waren. Denn Philipp Langenegger hat in einer Art Jam-Session den preisgekrönten Text von Ralf Bruggmann vorgelesen. Erst leise, dann laut. Hier ein kurzes Video davon.