Der Wendepunkt

In anderen Zeiten kann die Umstellung auf Sommerzeit grössere Diskussionen auslösen. In diesem Jahr habe hiervon allerdings noch nicht viel mitbekommen. Die Menschheit scheint gerade andere Sorgen zu haben. Trotzdem dürften sich auch heuer wieder viele über den jährlichen Rhythmuswechsel echauffieren, begleitet vom ewig gleichen Lamento, wonach die Schweiz die Sommerzeit gar nie eingeführt hat. Denn bekanntlich gab es 1978 an der Urne ein Nein. Der Bundesrat hatte damals vergebens argumentiert, dass die Schweiz keine Insel ist.  

Verschiedene europäische Länder hatten damals die Sommerzeit schon eingeführt oder standen kurz davor. Deshalb schrieb der Bundesrat im Edikt: "Alle Länder Europas sind in Handel und Verkehr stark voneinander abhängig. Aus praktischen Gründen sollte daher auch in der Schweiz sowohl im Winter als auch im Sommer die gleiche Zeit gelten wie in ihren Nachbarländern. Nun, die Mehrheit wählte den unpraktischen Weg. Mit der Folge, dass drei Jahre später die Sommerzeit trotzdem eingeführt wurde. Daraufhin lancierte übrigens laut "20 Minuten" ein gewisser Christoph Blocher eine Initiative zur Abschaffung der Sommerzeit. Er sah schon damals "den Volkswillen mit Füssen getreten". Doch die Initiative kam wegen zu wenig Unterschriften nie zustande. 

 

Und so drehen wir seither Jahr für Jahr an der Uhr, freilich nicht ohne vorher darüber zu rätseln, ob wir im Frühling die Uhr eine Stunde vor- oder zurückstellen müssen. Die Lösung halten spätestens die mittlerweile vielen automatischen Uhren im Haushalt bereit, wenn man am Sonntag aufsteht und der Tag schon etwas weiter fortgeschritten ist als üblich. Ja dann merkt man, dass einem im Frühling eine Stunde geklaut wird. 

 

Ich lasse mir diese Stunde gerne klauen. Denn ich freue mich immer auf die Zeitumstellung, bedeutet das doch gleichzeitig auch, dass der Winter bald überwunden ist und die schöne Jahreszeit beginnt. Klar: Der Schnee kann auch schön sein. Aber insgesamt gefällt mir die Sommerzeit schon besser. Es ist länger hell, der Tag beginnt am Morgen mit Vogelgezwitscher, man kann die dicke Jacke getrost in der Garderobe hängen lassen, den Kaffee im Garten schlurfen, im Dorf gibt es wieder mehr Leben und und und... Das ist doch ganz ein anderes Leben. 

 

Und auf dieses Leben freue ich mich - auch wenn wegen Corona im Moment alles ein wenig anders ist. Am liebsten würde man grad eine Initiative lancieren, damit die Pandemie abgeschafft wird. Helfen würde das freilich nicht viel. Die Schweiz ist eben keine Insel.