Ich habe ein Faible für Taschenmesser

Heute wurde ich freundlich angewiesen, bitteschön auf meinem Blog keine Schleichwerbung zu machen. Wobei ich ja alles andere als schleichen im Sinn hatte. Sie wissen schon, mit diesem Dings mit Rädern und Motor. Regelmässige LeserInnen wissen übrigens, dass ich ohnehin lieber mit dem Gefährt unterwegs bin, das auf Schienen fährt. Ich hoffe, dass ich hiermit nicht zu viel verraten habe. Schliesslich bin ich ja neutral. Auch wenn ich nur selten ein Taschenmesser im Hosensack trage - wie es typische SchweizerInnen dem Cliche nach tun sollen. 

 

Das heisst allerdings nicht, dass ich kein Faible für Taschenmesser habe. Natürlich bevorzuge ich keinerlei Marken. Meines habe ich im Schmiedekurs in der M.... K....schule selber angefertigt. Freilich haben sich im Laufe der Jahre noch viele weitere Taschenmesser bei mir zu Hause angesammelt. Im Sommer musste ich mir aber dummerweise trotzdem eines kaufen - die Quittung wäre noch verfügbar, falls das jemand kontrollieren will. Denn ich habe mir einen Aufenthalt in einer Schweizer Stadt mit einer berühmten Brücke und einem schönen See gegönnt - wie gesagt, Quittung vorhanden. 

 

Das Hotel hat mir dann dummerweise gratis ein besseres Zimmer zur Verfügung gestellt, als ich gebucht hatte. Natürlich habe ich an der Rezeption deswegen ein Mordsaufstand gemacht. Schliesslich musste ich unmissverständlich klarmachen, dass ich in keiner Weise käuflich bin. Die Rezeptionistin/Fachfrau Empfang/Head of Check-in - man sehe es mir nach, wenn ich den genauen Begriff nicht getüpft habe - hat sich dann zwar höflich entschuldigt. Gebracht hat es nicht viel, ich musste im besseren Zimmer übernachten und hatte sogar eine Minibar.

 

Ohne den Sommer werten zu wollen, darf man nach Konsultation verschiedener Fachmedien sicher die Feststellung wagen, dass es relativ heiss war. So heiss jedenfalls, dass ich Durst hatte und mir ein gekühltes Mineralwasser aus der Minibar gönnen wollte. Bloss hatte es im ganzen Zimmer nirgendwo einen Flaschenöffner. Deshalb musste ich auf die gut appenzellische Methode zurückgreifen und den Deckel mittels eines gezielten Schlages auf das schöne Hotelmöbel öffnen. Liebe Mob...., Durst, Möbel.... Um dem Hotel Schaden zu ersparen, habe ich mich anschliessend in der Stadt auf die Suche nach einem Touristen-Shop mit Taschenmessern gemacht. Dort war man hocherfreut, endlich mal wieder einen Kunden begrüssen zu dürfen. Dies gipfelte in einem längeren Beratungsgespräch. Schliesslich habe ich mich für einen Sackhobel mit rotem Cover und Dekorkreuz entschieden. Besonders Feature: die Säge. Diese musste natürlich umgehend an besagter Holzbrücke ausprobiert werden. Ich kann nur so viel verraten, die Säge hat funktioniert. 

 

Ein paar Wochen lang habe ich das Messer pflichtbewusst mit mir rumgetragen. Ich habe damit Brätelstecken gespitzt, Weinflachen entkorkt und den Omas, denen ich über die Strasse geholfen habe, die Fingernägel geschnitten. Mittlerweile habe ich das Taschenmesser aber aus den Augen verloren. Dann aber ist mir das Messer im Dings mit den Rädern und dem Motor aus der Tasche gefallen, seither wird es vermisst. Der Philosoph würde sagen: Unsere Beziehung stand unter einem schlechten Stern.