Nicht jeder Plan geht auf

Noch wollen wir es nicht verschreien, aber an diesem Wochenende hatten wir die ersten Vorboten des Frühlings. Beim Wetter kann man sich aber nie sicher sein. In einer Woche sind wir dann wahrscheinlich wieder am Schnee schaufeln.

 

Ich habe mich wirklich auf die erste Ausfahrt mit dem Rennrad gefreut. Aber wie immer, wenn man vorher grosse Pläne schmiedet, kommt am Ende doch alles etwas anders. Als ich schon mit frischrasierten Waden und aerodynamischen Rennfahrerdress in der Garderobe stand, wurde ich am Samstagmorgen von der Rennleitung jäh gestoppt. Man solle doch bitteschön erst das Haus staubsaugen. Bei dieser Aufforderung blieb mir fast der Energieriegel im Hals stecken. Aber was soll man tun, Rennleitung ist Rennleitung. 

 

Und so wurde im Maillot jaune die Hütte geputzt. Statt auf den Tüfenberg ging es unter das Sofa und das Bett. Da hatte sich in den letzten Tagen, Wochen, Monaten mehr Staub angesammelt als auf Göläs Lunge. Und so kroch ich, der Putz-Büezer, mit dem Rohr in die hintersten Ritzen und keiner sagte mir "Sali, wie geits". Am Ende sah ich fast aus wie weiland Beat Breu nach einem Radquer. Nur wartete bei mir im Ziel keine Ehrendame. 

 

Jedenfalls war es bereits Mittag, als ich die Arbeit erledigt hatte. Zeit für Mittagessen - eigentlich. Bloss wollte mein Sohn ein Menü surprise zaubern. Und er liess sich mit zaubern Zeit, viel Zeit. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mich locker um 12 Uhr aufs Velo gesetzt. Denn das Essen wurde erst um 14 Uhr serviert. Aber wir wollen nicht tadeln, es hat sehr gut geschmeckt. Bloss verleihen Chicken Wings keine Flügel. Heisst: Vollgefressen aufs Velo sitzen, macht keinen Spass. Und so kam es, wie es kommen musste. Am Samstag wurde nichts mit der Ausfahrt. 

 

Aber der Sonntag ist ja auch ein Tag. Ich quälte mich extra um 7 Uhr aus den Federn. Auf leisen Sohlen machte ich meine Vorbereitungen, damit ich auch ja niemanden in der Nachruhe störe. Doch auch dieses Mal wurde ich jäh gestoppt - nicht von der Rennleitung, sondern vom Töchterchen - die freudenstrahlend auf mich losstürmte und knuddeln wollte. Nach dem Knuddeln wollte sie eine Geschichte hören, dann etwas mit mir singen, dann ein wenig zeichnen, dann noch eine Geschichte hören - und dann knurrte bei ihr der Magen. Frühstück svp. Naja, der kleinen Prinzessin kann man natürlich keinen Wunsch abschlagen. Und nach dem Frühstück war auch nichts mit Velo. Es wurde beschlossen, ein Spaziergang zu machen. Okay, okay - Zeit mit der Familie muss auch sein. Und am Nachmittag ging es in diesem Stil weiter. Fazit: Ich war an diesem Wochenende nicht auf dem Rennrad. 

 

Und zu allem Überfluss meckert auch noch meine Pulsuhr: "Sie haben ihr Tagessoll nicht erreicht. Was ist los?" Jetzt weiss ich endlich, warum diese Uhren extra stabiles Sapphire-Glas haben. Für Familienväter...