Das Parlament geht auf Distanz

Zur Zeit ist ja nichts mit grossen Treffen. Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind verboten. Schutzmassnahme. Ausnahme sind die Parlamentssitzungen. Die Politikerinnen und Politiker tagen weiter, schliesslich geht auch das Leben weiter. Und gerade jetzt müssen weitreichende Entscheide gefällt werden. 

 

Statt in ihren altehrwürdigen Ratssälen treffen sich die Parlamente im Moment aber in Mehrzweckhallen. Dort können die Ratsmitglieder etwas mehr auf Distanz gehen. Das mag für sie im Alltag nicht immer ein Vorteil sein, sitzt man doch teilweise sehr weit auseinander. Als Besucher dieser Sitzungen ist das aber eigentlich noch ganz schön. Denn es ist eben alles etwas weniger beengt. In Appenzell Innerrhoden zum Beispiel getraut man sich sonst jeweils kaum, aus dem Saal zu schleichen. Die Türe ist massiv und der Boden knarzt. Ausserdem herrschen in Innerrhoden noch Sitten, wie man sich das eigentlich von einem Parlament vorstellt. Eine Person spricht, die anderen hören zu. Es herrscht also Ruhe, deshalb fällt das Knarzen umso mehr auf. In der weitläufigen Turnhalle mit dem gedämpften Boden ist das nicht mehr der Fall. Man kann sich quasi auf leisen Sohlen aus der Debatte schleichen. 

 

Auch in Appenzell Ausserrhoden herrscht immer noch viel Disziplin im Rat. Der grosse Vorteil hier am Ratsbetrieb in der Turnhalle ist die Soundqualität. Im Kantonsratssaal in Herisau versteht der Rock-'n'-Roll-geschädigte Zuhörer manchmal kaum, was gesprochen wird. In der Turnhalle jedoch kommen die Leute von der Stagelight zum Einsatz. Spezialisten, die Erfahrung haben mit grossen Konzerten, wie zum Beispiel dem Openair St. Gallen. Entsprechend rocken hier aktuell die Voten wie Metallica oder Die Toten Hosen aus dem Lautsprecher. Grund genug als zum Kopfnicken, selbst wenn es sich um ein trockenes Votum handelt. 

 

Akustisch eine Katastrophe ist der Ersatzstandort des Thurgauer Parlaments. Dafür ist der Ort ansonsten sehr sympathisch: Das Parlament tagt nämlich in der Festhalle Rüegerholz in Frauenfeld. Politbetrieb in der Festhalle - das sorgt per se für gute Laune. Vor allem, wenn dann der Ratspräsident auch noch nach jedem Voten ein launiges "Zigezage" anstimmt und spätestens nach einer Stunde das ganze Parlament auf den Bänken steht. Ok, das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben. 

 

Feststimmung kommt auch fast im St. Galler Kantonsparlament auf. Dieses tagt im Moment in der Olmahalle. Feuchtfröhlich geht es allerdings nicht zu und her. Eher im Gegenteil. Es kann auch einmal vorkommen, dass ein Redner eine halbe Stunde das Wort an die Anwesenden richtet. Wiewohl es hier nicht garantiert ist, dass alle Plätze im Saal besetzt sind. Manche sollen dem Vernehmen nach nämlich jeweils stattdessen dem Säulirennen in der Arena beiwohnen. Wetteinsätze werden keine ausbezahlt, der Kanton muss sparen.