Mein Schulweg wird amtlich verboten

Zum Wochenstart gibt's etwas Nostalgie. In der Appenzeller Zeitung war nämlich letzte Woche eine "Rechtsprovokation" publiziert. Demnach soll ein Fussgängerweg auf dem Werkareal der Huber + Suhner AG in Herisau aufgehoben werden. Denn: "Diese Fusswegverbindung wird nicht mehr benötigt." 

 

So ändern sich offenbar die Zeiten. Früher wurde dieser Weg sehr wohl benötigt. Es war für uns Kinder aus dem angrenzenden Hölzli nämlich der Schulweg. Täglich waren wir hier auf dem Werkareal unterwegs. Die Verhältnisse waren damals noch ganz anders. Das ganze Industriegebiet ist enorm gewachsen, und auch unsere Heimat musste weichen. Unsere Häuser gibt es nicht mehr, dafür stehen jetzt dort die Gebäude der Metrohm.

 

Auch auf dem Werkareal selber war es früher noch ganz anders. Gleich an die Laderampe grenzte früher das Pfadiheim. Jeden Samstag herrschte hier also viel Betrieb, wenn sich Bienli und Wöfli, Pfader und Pfadiesli trafen. Ein ganzes Bauernhaus stand damals der Pfadi zur Verfügung. Grosse Erinnerungen habe ich nicht mehr daran. Bloss wie wir 1987 unten in der Küche mit Pappmaché Masken für den Gidioumzug gebastelt haben. Und natürlich an die "Gasbombe", die ein Pfader gebastelt hatte und die mit lautem Knall auf dem Werkareal explodierte. Nichts passiert. Heute würde wohl die Polizei mit einem Sonderkommando einfahren und die Erwachsenen würden sich verängstigt im Elterntaxi einschliessen. 

 

Erinnern kann ich mich auch noch an eine Möli-Rodeo auf dem Werkareal. Das war schätzungsweise 1986. Man konnte an diesem Quartierfest glaub's auf einem Bullen reiten, also auf keinem echten, sondern auf einer Maschine. Das Jahr ist mir vermeintlich in Erinnerung geblieben, weil ich nachher zusammen mit meinem Vater zu Hause das WM-Spiel Frankreich gegen Brasilien geschaut habe. Eine der ersten Partien überhaupt, an die ich mich erinnern kann. Ein grossartiges Erlebnis. Das Gelb des brasilianischen Trikots hat seither nichts an Faszination eingebüsst. Aber der Star war natürlich bald ein anderer: Diego Armando Maradona. Es wird wohl nie wieder einen Spieler geben, der besser ist als der Argentinier an jener WM in Mexiko. Tore für die Geschichtsbücher.

 

Aber jetzt, wo Maradona tot ist, kann man auch das Werkareal für die Fussgänger sperren. Es wird nicht mehr benötigt. Der alte Zauber kehrt sowieso nie mehr an diesen Ort zurück.