Das Kunstatelier ist geöffnet

Wie sagte schon der grosse Pablo Picasso: "Das Leben ist kein sügüs." Aufgrund des schönen Wetters hatten wir heute nämlich unsere Kinder zu einem Spaziergang verknurrt. Ui, da sank die Stimmung aber vorübergehend in den Keller - etwa so, wie wenn sich jeweils Schiedsrichter Bieri im St. Galler Stadion auslebt. Von allen Seiten gab es Buhrufe. 

 

Als meine Frau und ich dann auch noch die glänzende Idee hatten, für die bevorstehende Fastenzeiten ein iPad-Fasten auszurufen, war es dann vollends vorbei mit der guten Laune. Wie Hannibals-Herde stapften wir durchs Dorf, laut trompetend wie eine Guggenmusik - nur waren es bei uns nicht schiefe Töne, sondern das Jammern und Flennen der Kinder. Hiermit entschuldigen wir uns höflich bei der Bevölkerung. Das ist der Sound knallharter Erziehung. Gamer und iPad bleiben bis am 4. April weggesperrt. 

 

Was wir Superpädagogen nicht in unsere Überlegungen einbezogen hatten, Buben haben eine gute Alternative, wenn es ihnen vermeintlich langweilig ist: Sie zerlegen die Bude in Einzelteile. Erst gibt es eine Neuauflage vom Kampf Frazier gegen Ali, danach Rugby und schliesslich auch noch wilde Verfolgungsjagden wie in einem Hollywood-Schinken. Auf den Socken kann man mindestens so schön driften wie auf Pirelli-Reifen. 

 

Bevor die Ambulanz alarmiert werden muss, überlegen sich die Superpädagogen Alternativen. Eilends werden Pinsel und Farben hervor gekramt, der Küchentisch mit Zeitungspapier abgedeckt und das Kunstatelier eröffnet. Und tatsächlich sitzen bald alle friedlich vor einem Blatt Papier. Auch ich halte nach langer Zeit mal wieder einen Pinsel in der Hand, allerdings ohne eine leise Ahnung zu haben, was ich malen soll. Und so haue ich die Plattitüde raus, dass die Kunst mir dann schon sagen wird, was ich machen soll. Und dann lasse ich es einfach geschehen. Der Pinsel gleitet über das Blatt. Das Resultat, naja. Aber, die Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. 

 

Die Kinder drücken derweil ganze Tuben aus. Einzuwenden dagegen habe ich wenig. Schliesslich hat die Kunst ihnen befohlen, dies zu tun. Ist ja auch egal. Farbe und Pinsel sind immer noch günstiger als jedes Game für den Nintendo. Bis am 4. April haben wir jetzt Zeit, unsere Fähigkeiten zu verbessern. Vielleicht machen wir dann am Ostersonntag eine kleine Vernissage mit unseren besten Werken. Schiedsrichter Bieri ist nicht eingeladen.