Als am Orion Rennfieber herrschte

Der Orion-Hang liegt ganz in der Nähe vom Sportzentrum in Herisau. Bestimmt hätte man auf dieser Wiese schon ganz viele Häuser bauen können. Man hat es bis jetzt aber glücklicherweise nicht getan. Und so dient der Hang immer noch als kleines Wintersport-Mekka. Kaum liegen ein paar Flocken Schnee, pilgern dort nämlich die Kinder mit ihren Schlitten hin. Unten gibt es sogar ein Auffangnetz. Und dies völlig gerechtfertigt. Man muss nur meinen Sohn fragen, der mal mit einem Salto ins Netz gedonnert ist. 

 

Meine Erinnerung an den Orion-Hang ist weniger mit Temporausch verbunden. Denn an diesem Ort werden auch die Herisauer Skirennen ausgetragen. Oder wurden ausgetragen. Ich glaube, diese Rennen gibt es heute nicht mehr. Liegt eventuell aber auch daran, dass es nur noch selten Schnee hat. Früher, liebe Kinder, da hatten wir noch regelmässig Schnee. Und somit auch Skirennen. Es waren ja die goldenen Zeiten des Schweizer Skirennsports, als Zubriggen und Co. einfach alles abräumten, was es abzuräumen gab. Also fast ein wenig so, wie gerade aktuell an der Ski-WM irgendwo in Italien. 

 

WM-Stimmung herrschte damals auch fast ein wenig am Orion-Hang. Unten im Ziel gab es Zuschauer und auf der Piste richtige Tore, die man umkurven musste. Auf dem eigenen Trainingshang mussten diese Aufgabe jeweils die Skistöcke übernehmen. Bloss eines gab es und gibt es am Orion-Hang nicht: einen Skilift. Und so mussten die Teilnehmer selber mit den Ski hinauf trämpelen zum Start. Der praktische Nebeneffekt, so wurde auch gleich die Piste präpariert. 

 

Oben angekommen offenbarten sich sogleich Niveauunterschiede. Manche Kinder sahen mit ihrer Ausrüstung aus, als würden sie gleich im Weltcup starten. Manche hatten sogar Plastikschoner an, damit sie die Stangen wegboxen konnten. So gut ausgerüstet war ich leider nicht. Ich hatte bloss ein paar alte Secondhand-Ski dabei. Irrtümlicherweise schnappte ich ausserdem irgendwo auf, dass man nach dem Start die Stöcke nicht zum Beschleunigen einsetzen darf. Ganz logisch erschien mir das zwar nicht, kannte man doch vom TV her andere Bilder. Aber vielleicht sollte dies das Rennen fairer machen. 

 

Jedenfalls hielt ich mich an die Regel, die ich irgendwo aufgeschnappt hatte. Und prompt war ich im Ziel Letzter. Was für eine Niederlage! Versüsst wurde diese aber durch eine Schokolade. Denn der Letztklassierte erhielt als Trostpreis eine Schokolade. Und so habe ich an den Orion-Hang vielleicht nicht die schönsten Erinnerungen, aber die wenigstens ziemlich süsse.