Raclette-Desaster abgewendet

Heute hatte ich Küchendienst. Da wollte ich meiner Familie natürlich etwas besonders Gutes auf den Tisch zaubern. Ich habe mich durch Rezeptbücher gewälzt, bin von Chateaubriand zu Entenleberterrine bis zur Molekularküche geblättert. Letztlich habe ich mich für Raclette entschieden.

 

Ich habe mich in die Küchenschoss und die Kartoffeln in den Dampfkochtopf geworfen. Und dann machte ich mich auf die Suche nach dem Raclette-Ofen. Es ist nämlich so, dass wir unseren Estrich für Kinderzimmer geopfert haben. Wir haben nur ein kleines Haus und irgendwie hat das mit der Kinderproduktion einfach nie aufgehört. Dabei habe ich sogar extra den Storch mit dem Luftgewehr verjagt. Half aber nichts, trotzdem hatten wir einen Balg nach dem anderen im Haus.

 

An meinem Vierzigsten habe ich dann mal meinen Vater zur Seite genommen und gefragt, ob er einen Rat weiss. Und er hat mir dann das mit den Bienen und den Blumen erklärt. Seither ist Ruhe. Für die bestehende Rasselbande musste jedoch Platz geschaffen werden. Deshalb haben wir den Dachstock ausgebaut. Jetzt haben wir aber praktisch den ganzen Stauraum geopfert. Jetzt haben wir nur noch einen ganz kleinen Abstellraum. Und darin stapelt sich jetzt der ganze Gerümpel. 

 

Und ich wusste, ganz zu hinderst im Gerümpel, da ist unser Raclette-Ofen. Und so machte ich mich auf zur Klettertour über Chügelibahn, Bobby-Car, Playmobil-Burg bis zum ausrangierten Sideboard. Der Zeiger rückte der 12 bereits bedrohlich nahe. Und in der Küche zischte und blubberte der Dampfkochtopf, als würde er demnächst explodieren. Die Türen des Sideboards liessen sich aber nur halb öffnen. Mit etwas Fluchen und beherztem Einsatz gelang es mir aber, den Raclette-Ofen zu befreien. Das Mittagessen war gerettet.

 

Selbstverständlich kam das Raclette sehr gut an. Ich meine, entweder man kann kochen oder man kann es nicht. Nur dummerweise musste ich anschliessend den Raclette-Ofen wieder im Abstellraum verräumen. Also hiess es, die ganze Übung zu wiederholen. Noch einmal über Chügelibahn, Bobby-Car und Playmobil-Burg klettern. Und noch einmal den Ofen durch die halb geöffneten Türen des Sideboards zwängen. Das nächste Mal, ich schwöre es, gibt es Chateaubriand, Entenleberterrine oder Molekularküche - ist weniger aufwendig. 

 

PS: Gerade ist mir aufgefallen, dass ich vergessen habe, die Raclette-Pfännchen im Karton des Ofens zu verstauen...