Backe Bukowski-Brot

Dass ich seit Anfang Jahr ein Erbsenzähler, Rappenspalter, Pfennigfuchser bin, das habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Und so leiste ich mir selbstverständlich in den Ferien nicht den Luxus, täglich Weggli, Gipfeli oder Brot zu kaufen. Stattdessen habe ich mit Mehl und Hefe eingedeckt. Die Trockenhefe ist übrigens seit letztem Samstag permanent ausverkauft auf der Riederalp. Bin wohl nicht der einzige Pfennigfuchser hier oben. 

 

Allmählich steigern sich auch meine Backkünste. Obschon ich die Koch-Bibel zu Hause gelassen habe - also den Tiptopf. Zum Glück gibt's Google. Allerdings habe ich eine VPN-Verbindung. Das heisst, das Handy wählt sich irgendwo auf der Welt ein. Und dementsprechend stellt mir Google Brot-Rezepte aus allen Ecken und Enden zur Verfügung. Chinesische ManTou Dampfbrötchen sehen beispielsweise ganz lecker aus - leider aber kann ich die Zutaten nicht entziffern. 

 

Und so muss mich halt ein wenig durch die Suchresultate scrollen, bis ich bei den Schweizer Rezepten lande. Sich die paar Zutaten zu merken, ist freilich keine Herausforderung: Mehl, Salz, Hefe, Wasser. Das ganze korrekt zusammen zu mischen, hingegen schon eher. Bei der Premiere am letzten Samstag hatte ich beispielsweise das Wasser streng nach Rezept abgemessen. Trotzdem hatte ich plötzlich einen Mehl-Matschhaufen in den Händen. Meine Frau musste dann ordentlich Mehl nach kippen, mit den eigenen, teigigen Händen geht das nicht so gut, das Pfünderli bestand dann halt nicht mehr aus 500, sondern aus 750 Gramm Mehl. 

 

Das zweite Problem folgte beim "Aufgehen lassen". In der Ferienwohnung gibt es genau ein Abwaschtuch. Aber etwas Schaum im Brot kann ja nicht schaden. Beim Bier schätzt man die schöne Schaumkrone schliesslich ja auch. 

 

Auf irgendetwas schien der Teig dann aber sensibel zu reagieren. Denn er wollte sich nicht so richtig gehen lassen. Nicht einmal als ich die Calimeros ins CD-Fach legte. Nach dem Backen war das 750g-Pfünderli etwa so gross wie ein Semmeli. Wenigstens hat es gut geschmeckt. Selber machen schmeckt halt doch am besten. Wobei so ein Brot vom Beck ja schon auch ganz gut ist. 

 

Vor allem sehen die Brote vom Beck auch immer sehr eben aus. Die Kruste gleicht gewissermassen dem Gesicht Aston Kutchers (sorry, etwas Zeitgenössisches kenne ich nicht); eben, rein, glatt, fein, schön und gut. Meine Brote gleichen hingegen Charles Bukowski. Heisst: Die Kruste ist furchig - sehr furchig. Ein Brot mit Charakter. 

 

Etwas kann Aston Kutcher nicht bieten. Wenn man in mein Brot beisst, kann man nachher Seifenblasen machen. Bukowski ist eben ein Poet.