Mit beschlagener Brille bergab

Heute zum ersten Mal auf den Ski seit Corona die Welt heimgesucht hat. Es hatte zwar viele Leute unterwegs, das mit dem Abstand hat aber ziemlich gut funktioniert. Und es tragen auch alle brav eine Maske. Jedenfalls beim Anstehen am Skilift und auf dem Sessellift. 

 

Dabei ist das gar nicht so unproblematisch. Man kennt das ja, wenn wegen der Maske die Brille beschlägt. Im Alltag habe ich das inzwischen im Griff. Allerdings auch, weil ich die meiste Zeit keine Brille tragen. Geht ja auch ohne. Beim Skifahren ist das nicht ganz so einfach. Der Schnee ist einfach zu grell, wenn die Sonne scheint. Da muss man die Augen schützen. Aber die Lungen sollte man ja auch schützen. Und so habe ich heute den ganzen Tag herum gefiguretlet - ohne Lösung. Meine Sonnenbrille hatte heute einen Nebeltag. 

 

Das ist beim Fahren natürlich nicht besonders angenehm. Deshalb habe ich mir erlaubt, die Maske beim Fahren unter das Kinn zu ziehen. Freilich war ich damit nicht der einzige. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass schon irgendeiner vorher bei Alain Berset angerufen und seine Erlaubnis eingeholt hat. 

 

In dieser herrlichen Landschaft mit beschlagener Brille unterwegs zu sein, wäre aber auch sehr schade. Natürlich mussten wir am Morgen gleich hoch und einen Blick auf den Aletschgletscher werfen. Dieser sieht im Moment, wo überall viel Schnee liegt, gar nicht mal so imposant aus. Trotzdem ist der Anblick des Ewigen Eises ein eindrückliches Erlebnis. Auffallend auch, dass dort oben eine Art temporärer Win-Win-Markt eingerichtet wurde. Heisst: Man kann seine Abfälle dort sauber getrennt in verschiedene Eimer werfen. Gute Nachrichten für Innerrhoden: Quöllfrisch scheint Konjunktur zu haben im Wallis. Jedenfalls hatte es eine ordentliche Anzahl Flaschen auf der Beige. 

 

Es würde nicht überraschen, wenn dereinst die Glaziologen auf dem Aletschgletscher auf Quöllfrisch-Flaschen stossen würden. Was für Rückschlüsse würde man wohl machen? Dass die Menschen damals zum Überleben Bier soffen? Dass die Appenzeller auf der Suche nach neuem Lebensraum bis ins Wallis vorgestossen waren? Man weiss es nicht, irgendwas werden sie sich dann schon zusammen reimen. Sofern es bis dahin den Aletschgletscher überhaupt noch gibt. Der Klimawandel lässt grüssen. 

 

Mittlerweile haben sich ja sogar Edel-Kapitalisten den Klimawandel auf die Fahne geschrieben. Der Bigboss des weltweit grössten Vermögensverwalters, BlackRock, bezeichnet ein seinem Hirten Brief den Klimawandel als eine der grössten Herausforderungen. Ziel sei es, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf "Netto null" zu senken. Solche Worte hört man sonst eher von der Klimajugend, den Grünen oder in Appenzell Ausserrhoden auch von der FDP. Damit dieser Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft gelinge, seinen nicht nur technologische Innovationen notwendig, sondern eine auf Jahrzehnte angelegte Planung der Unternehmen (NZZ). 

 

Der Vizeboss von BlackRock will übrigens OECD-Generalsekretär werden. Eines seiner erklärten Ziele, die CO2-Emissionen auf null zu drücken. Würde nicht überraschen, wenn schon bald freitags die Topmanager auf der Bahnhofstrasse demonstrieren würden. "Wem sini Zuekunft, üsi Zuekunft..."

 

Aber hey, eigentlich ging es ja nur ums Skifahren, ein paar Quöllfrisch-Flaschen und meine beschlagene Brille. Jedenfalls habe ich auch noch einen Abflug gemacht. Aufgrund diffuser Lichtverhältnisse habe ich am Nachmittag eine Bodenwelle übersehen. Dabei habe ich eventuell etwas den Kopf angeschlagen....