Ohne Krimi fährt Mimi niemals Zug...

Wir sind auf der Riederalp angekommen. Und wir haben sogar richtig gepokert, weil wir von Anfang geplant hatten, mit dem Zug zu fahren. Zum Glück, denn der Autoverlad ist sowohl am Furka als auch am Lötschberg gesperrt. Zu gross ist die Lawinengefahr nach den heftigen Schneefällen in den vergangenen Tagen. Am Radio habe ich jeweils mit Interesse die Berichte aus dem Wallis mitverfolgt. Heute allerdings die Überraschung: Bei langen Tunnels ist es ja immer spannend, wie auf der anderen Seite das Wetter ist. Im Wallis ist es häufig schön. Heute aber nicht. Sonnenschein hatte ich freilich nicht erwartet, nur viel Schnee nach all den dramatischen Berichten. 

 

Im Tal unten hat es aber schon gar nicht mehr so viel Schnee. Auch hier hat der Regen ganze Arbeit geleistet. Auf der Riederalp oben präsentiert sich ein anderes Bild. Es schneit und es liegt bereits viel, ganz viel Schnee. So soll das sein für die Skiferien. Jetzt braucht es nur noch einige schöne Tage, dann ist es perfekt.

 

Auch der Gepäcktransport hat problemlos funktioniert. Das hätte ich so nicht erwartet. Etwas geht in der Regel immer schief. Aber hier nicht. Beim Studium der Mitreisenden war ich ganz froh, diesen Service in Anspruch genommen zu haben. Einer fuchtelte auf dem Perron wie Rumpelstilzchen rum, weil ihm die Gepäckstücke vom Wagen gefallen waren. Und wie erwartet hatte es auch viel zu wenig Abstellfläche für all das ganze Gepäck. Wobei wir da im Vorteil gewesen wären, weil wir ja am Ausgangsort in den Zug gestiegen waren. Im Osten zu wohnen, kann auch Vorteile zu haben. 

 

Mit den Thunern zum Beispiel habe ich immer etwas Mitleid. In den Intercity-Zügen müssen sie sich immer irgendwo rein quetschen. Selten einmal ist ein Abteil frei. Was aber eben auch daran liegt, dass der halbe Zug als Gepäckabstellfläche gebraucht wird. Und jetzt in Corona-Zeiten möchte man ja auch nicht, dass sich irgendwer Fremdes zu einem ins Abteil setzt. 

 

Bei uns hatte sich heute ein paar Abteile weiter vorne ein tätowierter Mann mit dunkler Kapuzenjacke hingesetzt. Begeistert war ich nicht. Beim Vorbeihuschen hat er irgendwie bedrohlich gewirkt. Aber natürlich hatte ich meinen inneren Bünzli zu beruhigen versucht. Man kennt ja diese tätowierten Personen, die zwar bedrohlich aussehen, aber eigentlich ganz nette Kerle sind. Raue Schale, weicher Kern. 

 

Damit nicht genug. Kaum war der Zug losgefahren, lief ein weiterer junger Typ durch den Zug. Er wirkte nicht unbedingt bedrohlich, aber etwas genervt habe ich mich trotzdem über ihn. Ständig dieses Geläuf im Zug mag ich nicht. Der junge Typ kam kurz darauf in Begleitung eines anderen jungen Mannes zurück. Bei der tätowierten Kokosnuss stoppten sie. Sie sagten "Grüezi" zu ihm. Mehr war nicht zu vernehmen. Ich dachte mir lediglich, dass es seltsam ist, in den Schnellzügen sind die Kontrolleure ja normalerweise nicht zivil unterwegs. Alles verlief völlig ruhig und ohne Hektik. Und doch spielte sich ein Krimi ab. Ganz offensichtlich waren die jungen Männer Polizisten, die den tätowierten Typen kontrollierten. Und nicht nur das. Es klickten sogar die Handschellen. Im Fernsehen verläuft das ja immer sehr spektakulär. Hier bemerkten die meisten im Zug nicht einmal, was sich abspielte. Irgendwie beeindruckend. Da habe ich schon hektischere Leute beim Gipfeli einkaufen erlebt, als diese beiden Polizisten bei der Verhaftung. 

 

Apropos einkaufen: Da hatte auch ich heute etwas erhöhten Puls. Natürlich mussten sich heute auf der Riederalp im Coop alle mit Lebensmitteln versorgen. Entsprechend viel Betrieb war im kleinen Laden. Dank meiner neuen Vorliebe für Erbesenzählerei war ich wenigstens gut vorbereitet. Habe ich doch wie ein Fourier im Militär eine Menüplanung für die Woche sowie den exakten Einkaufszettel vorbereitet. So konnte ich mich mit dem Zettel beim Gefrierfach postieren, meine Helfer zu den Regalen kommandieren und Artikel um Artikel auf der Liste abstreichen. Und selbstverständlich habe ich auch den Einkaufszettel eingepackt. Diesen muss ich nachher gleich noch in der Buchhaltung eintragen. Als braver Bürger und Erbsenzähler will man diesen Spass auch in den Ferien nicht missen.