Ich bin zu spät dran

Ich habe mir Anfang Jahr geschworen, dass ich bis zu meinem Geburtstag jeden Tag einen Blogeintrag schreibe. Das sind gut drei Monate. Das erfordert eine Menge Disziplin. Und zu den diszipliniertesten Menschen gehöre ich nicht gerade. Jedenfalls nicht auf Dauer. Ein paar Wochen lang kann ich die Pace jeweils hochhalten, dann aber geschieht Unerklärliches. Langsam und fast unmerklich weiche ich jeweils vom Kurs ab und lande am Schluss wieder im alten Fahrwasser. 

 

Gewohnheiten ändern, das ist nicht einfach. Das mit dem Schreiben hat sich bis jetzt ganz gut angelassen. Seit einem Monat schreibe ich täglich einen Beitrag. Egal, ob ich kaum Zeit habe oder nicht. Ich reserviere mir einfach eine Stunde, um hier am Compi ein paar Zeilen zu tippen. Oft schreibe ich um circa 17 Uhr. Dann sitzen die Kinder vor dem TV und schauen Trickfilm und um 17.30 Uhr läuft das Regionaljournal. Pünktlich zum "Echo" um 18 Uhr bin ich dann fertig mit meinen mehr oder weniger sinnvollen Beiträgen. 

 

Heute bin ich deutlich später dran. Es ist schon 21 Uhr. Es war einer dieser Tage, an welchem ich der Zeit hinterhergehinkt bin. Am Morgen ein paar Minuten zu spät aufgestanden und schon passte der ganze Ablauf nicht mehr. Immerhin habe ich es geschafft, dass das Mittagessen pünktlich um 12 Uhr auf dem Tisch war. Am Freitag bin ich jeweils Hausmann. Letzthin habe ich gnadenlos verschätzt beim Kochen. Ich wollte eigentlich nur ein paar Rüebli und Bratkartoffeln kochen. Pickelhart habe ich meine To-do-Liste durchgezogen. Und zack war es schon 11.30 Uhr. Das Essen kam mit Verspätung auf den Tisch, Sohnemann bemerkte "die Rüebli sind ja noch hart" und ich hatte irgendwie schlechte Laune. Immerhin das habe ich heute also besser hingekriegt.

 

Dafür hatte ich bei anderen Sachen Verspätung. Und die Versuchung war gross, das Blogschreiben einfach ausfallen zu lassen. Ich meine, wer bemerkt das schon... In diesem unendlichen Ozean des World Wide Web bin ich Plankton. Trotzdem habe ich mich jetzt noch an die Arbeit gemacht. Weil eben, es geht um die Disziplin, und darum, den Kurs zu halten. Ausserdem ist Schreiben einfach etwas Schönes. Vor allem flüstert mir gerade via YouTube Valeska Steiner ins Ohr. Diese Stimme entspannt und zaubert mir Jugend, Sommer, Leichtigkeit ins Herz. Da ist es plötzlich sowas von egal, wenn man einige Minuten der Zeit hinterherhinkt. Alles ist gut.