Skisack reist 1. Klasse

Heute Abend herrscht Hektik zu Hause. Packen ist angesagt. Es geht nun doch in die Skiferien. Mit drei Kindern ist dies aufwandsmässig etwa mit einer Mond-Mission zu vergleichen. Ganz viele Aufgaben sind zu erfüllen, Check-Listen abzuarbeiten, Kontrollen durchzuführen. Bloss nichts vergessen. 

 

Erschwert wird die Mission in diesem Jahr, weil wir mit dem Zug reisen. Mit dem Auto ist das easier. Da packt man einfach so viel vom Hausrat ein wie möglich. Wer möchte in den Ferien schon auf den eigenen Stressless-Sessel verzichten, auf die Fritteuse oder das Zierfisch-Aquarium? 

 

Mit dem Zug muss man sich einschränken. Beim Planen der Wagen haben sich die Ingenieure ja von Sardinenbüchsen inspirieren lassen. An Stauplatz für ein Aquarium oder den Stressless-Sessel hat keiner gedacht. Mit Not und Mühe findet man Platz für sein Gepäck. Die ganze Skiausrüstung mitzuschleppen, ist aber definitiv unpraktisch. Vor allem, wenn man beim Umsteigen in Zürich innert weniger Minuten vom Untergrund nach oben oder in Bern via Passerelle von einem Perron zum anderen wechseln muss. Diese Action muss nicht sein, nicht in den Ferien. 

 

Und da wir ausserdem auf die autofreie Riederalp reisen, nehmen wir in diesem Jahr das Angebot der SBB in Anspruch und lassen das Gepäck von Tür zu Tür transportieren. Dass das etwa ähnlich teuer ist wie eine Mond-Mission, haben wir freilich nicht bedacht. Selbstverständlich habe ich mich erkundigt, warum der Gepäcktransport so teuer ist. Und jetzt kann ich sagen, dass der Preis fair ist, weil dem Gepäck einiges geboten wird. 

 

Es wird morgen mit der Limousine zu Hause abgeholt und zum Bahnhof St. Gallen gefahren. Dort wird es von einem Concierge abgeholt und zum Zug begleitet. Früher lud man das Gepäck noch auf Paletten in den Gepäckwagen (Fourgon). Dort musste es frierend im kalten Wagen von A nach B fahren. Das ist heute alles etwas gehobener. Heute reist das Gepäck in einem separaten 1.-Klasse-Wagen. Die Ski werden mit Wachs behandelt,  Andreas Vollenweider spielt persönlich auf der Harfe und die Kleider erhalten Botoxspritzen, damit sie nicht völlig zerknittert am Zielort ankommen. Dass dieser Service etwas kostet, ist klar. 

 

Da sind wir schon fast neidisch, dass wir uns mit unseren Sparbilletten in die 2. Klasse quetschen müssen, wo man aufpassen muss, dass man nicht von jenen geköpft wird, die ihrem Gepäck diesen Luxus nicht gönnen wollen und im Wagen verzweifelt eine freie Abstellfläche für ihre Ski suchen. Ich habe mir deshalb auch schon überlegt, ob ich mich in den Skisack legen und komfortabel mit dem Gepäck reisen soll. Ein bisschen Botox könnte mir mit meinen 43 Jahren ja auch nicht schaden.