Alle auf die Ostschweiz

Den Ostschweizern dürfte an diesem Wochenende die Bratwurst im Hals stecken geblieben sein. Denn die Zürimedien haben ihren Senf zur Lage der Region abgegeben. Auslöser war eine Impfaktion im Thurgau, die den Blick zum Wortspiel "Impf-Gau im Thurgau" animierte.

 

Was war passiert? Ein Südafrikanischer Milliardär hatte sich in Frauenfeld impfen lassen. Dabei bildet der Kanton beim Impfen der eigenen Bevölkerung hochgerechnet auf 100 Einwohner das Schlusslicht. Auf den ersten Blick ein klarer Fall: Die reichen Impfdrängler werden im Kanton Thurgau bevorzugt. Erschwerend hinzu kommt, dass für die Impfungen im Thurgau die Hirslanden-Klinik verantwortlich ist, bei welcher bis vor kurzer Zeit der Thurgauer Gesundheitschef noch angestellt war. Sauhäfeli, Saudeckli also - und laut NZZ ein klarer Fall von "Thur-Gaunereien". 

 

Solche "Thur-Gaunereien" würden sich in letzter Zeit häufen. Und zum Beweis führt die NZZ die manipulierte Parlamentswahlen und eine Wahlwerbung der Regierung auf der steuerfinanzierten Webseite für den SVP-Mann an. Und jetzt auch noch die Milliardärsimpfung. Zwar versichert der Gesundheitschef, dass er nichts von der Aktion gewusst habe. Denn das Impfen liegt in der Verantwortung der Hirslanden-Klinik. Für diese Thur-Gaunerei war also eine Klinik mit Sitz in Zürich verantwortlich. 

 

Trotzdem ist die NZZ der Meinung, dass im Thurgau ein übersteigertes Bedürfnis nach Eintracht herrscht. "Im Thurgau reden die Leute wenig - sie machen. Die Kehrseite ist, dass hier viele viel machen dürfen. Und dass wenig darüber geredet wird." 

 

Sollte dieses Thurgau-Bashing im Nachbarkanton St. Gallen bei manchen Leuten insgeheim Schadenfreude ausgelöst haben, so war diese Schadenfreude von kurzer Dauer. Am Sonntag holte nämlich die Sonntags-Zeitung die Kanone aus dem Arsenal und feuerte unter dem Titel "Chronik einer tödlichen Verharmlosung" scharf gegen die St. Galler Corona-Politik. Auch hier wird ein Bild von Sauhäfeli, Saudeckeli suggeriert und so getan, als lasse sich die Regierung von einem "Corona-Skeptiker" beraten. Was zu einer laschen Corona-Politik und entsprechend vielen Toten geführt habe. Die These untermauert die Sonntags Zeitung mit Zahlen. Die in der Tat nicht für St. Gallen sprechen. Gemäss Sonntags Zeitung sterben während der "Adventskatastrophe" zwölf Wochen lang in St. Gallen im Durchschnitt fast doppelt so viele ältere Menschen wie zu erwarten gewesen wäre: Es sind 737 tote Rentnerinnen und Rentner. Fazit: "Nirgendwo wütete die zweite Welle stärker als in St. Gallen", so die Sonntags Zeitung.

 

Unter dem Online-Artikel reiht sich ein wenig schmeichelhafter Kommentar an den anderen. Schande, gehört noch zu den freundlicheren Ausdrücken. 

 

Der St. Galler Gesundheitschef kommt zwar in einem kurzen Interview auch zu Wort. Es wird aber mit Bestimmtheit noch weitere Erklärungen brauchen. Ich jedenfalls bin gespannt auf diese Erklärungen.