Domina unter den Pflegeprodukten

Spätestens seit Fifty Shades of Grey hält in vielen Schlafzimmern eine etwas härtere des Liebesakts Einzug. Manche mögen es, sich fesseln oder auspeitschen zu lassen. Selbstverständlich gibt es auch Spezialistinnen auf diesem Gebiet: die Dominas. Bei ihr muss man leiden. 

 

Ein Leidensakt ist auch das Zähneputzen mit Zahnseide. Wer hatte bloss die Idee, mit einem Faden die Zwischenräume zu putzen? Das tut ja weh. Und wenn man sich damit ins Zahnfleisch schneidet, blutet es auch als hätte einem Schwergewichts-Champion Tyson Fury einen Hammer mitten auf die Fresse verpasst. Definitiv nicht jedermanns Sache. 

 

Und wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer. Sonst wäre beim Taschenmesser wohl auch noch ein Zahnseide-Faden eingebaut. Gemäss Wikipedia wurde diese Methode bereits von prähistorischen Menschen benutzt. Allzu sehr weiterentwickelt haben wir uns also nicht. Als eigentlicher Erfinder aber gilt der amerikanische Zahnarzt Levi Spear Parmly. Er empfahl 1815 die Zahnreinigung mit Seidenfäden. 

 

Während in der Schweiz als Menschen über dem Bundesvertrag brüteten, erfand in den USA ein Zahnarzt die Zahnseide. Der Bundesvertrag definierte einen Staatenbund zwischen 22 unabhängigen Kantonen. 1815 war es auch, als das Wallis als 22. Kanton der Eidgenossenschaft beitrat. Das kann man sich einfach merken, weil auch die Online-Tageszeitung so heisst: 1815.ch. Dort kann man dann lesen, dass der Kanton Wallis Kontrollen beim Homeoffice ankündigt.

 

Bei Wikipedia hingegen liest man weiter, dass sich die Firma Johnson & Johnson 1898 Zahnseide patentieren liess. Ihren Siegeszug durch die Münder entwickelte sie aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Mediziner den Seiden- durch einen Nylonfaden ersetzte. 

 

Ich selber greife ja eher selten zur Zahnseide. Damit bin ich offenbar in bester Gesellschaft. Laut einer Statistik würden in Deutschland gerade mal 5 Prozent der Leute Zahnseide benutzten. Ich schätze, dass es damit sogar noch mehr Leute gibt, die sich fesseln und peitschen lassen. Zahlen, die das belegen würden, habe ich allerdings gerade nicht zur Hand. Reine Vermutung. 

 

Freilich gehört beides eher zu den Tabuthemen. Beim Kafi sind sowohl Zahnseide als auch Fesselspiele eher selten ein Thema. Weshalb ich überhaupt auf dieses Thema komme, ist dem Umstand geschuldet, dass meine Kinder gerade beim Zahnarzt waren. Dabei haben sie berechtigterweise festgestellt, dass sie sehr oft und ich nur ganz selten den Zahnarzt besuche. Das hat auch damit zu tun, dass ich bei diesem Thema gewissermassen zur Aluhut-Fraktion gehöre, zu den Verschwörungstheoretikern. Man kann nämlich überhaupt keine Zahnschmerzen haben, wenn man beim Zahnarzt war, ändert sich das aber. Weil sie mit ihren spitzigen Haken Löcher in die Zähne machen. Jawohl, so ist das und nicht anders. Deshalb bleibe ich fern von diesen Peinigern. 

 

Als Kompromiss habe ich diese Woche wenigstens zur Zahnseide gegriffen. Natürlich hat Tyson Fury wieder zugeschlagen. Und ich frage mich wirklich, ob das so eine sinnvolle Sache ist. Auf Beobachter.ch habe ich sogar gelesen, dass man es besser bleiben lassen sollte. Andere wiederum schreiben, dass man damit sogar Krebs vorbeugen kann. Das ist mal eine Motivation. 

 

Noch motivierender wäre allerdings ein Hollywood-Film à la Fifty Shades of Grey. Junge Studentin lernt einen Mann mittleren Alters kennen. Er verliebt sich in sie. Sie verlangt aber, dass er Zahnseide benutzt. Erst wird es schmutzig, am Ende aber gibt es strahlend weisse Zähne. Happy End.