It's Showtime

Die Vereinigten Staaten hatten bereits einige Superstars als Präsidenten: JFK oder Ronald Reagan zum Beispiel. Donald Trump dürfte sie aber alle übertroffen haben. Unglaublich wie viel Aufmerksamkeit dieser Mensch generierte. Er war Corona vor Corona. Rundum den Globus wurde jeder noch so kleine Mist von ihm ausgiebig diskutiert. Ein Präsident, der selbst für die USA zu viel des Guten war. Jetzt ist er weg. 

 

Heute ist Amtseinführung von seinem Nachfolger Joe Biden. Ein Mann, der bei weitem nicht an die Strahlkraft Trumps heranreicht. Nach dem Showman soll nun ein stiller Schaffer wieder Ruhe ins aufgewühlte Land bringen. Einer, der genau weiss, wie das Spiel in Washington läuft und kein dahergelaufener Deal-Maker aus New York ist. 

 

Die Hoffnungen in den neuen Präsidenten sind gross. Grösser noch als die gigantischen Summen, die er ins Land pumpen will: 1900 Milliarden Dollar. Entsprechend wird diese Hoffnung an der heutigen Amtseinführung auch zelebriert. Angekündigt wurde nicht weniger als "die grösste Show" aller Zeiten. Eine Show mit Stars wie Tom Hanks, Lady Gaga oder Bruce Springsteen. Trump ist vorbei, jetzt wird Party gefeiert. 

 

Was für ein Kontrast zu unseren Bundesratswahlen, die für unsere Verhältnisse ja auch als Show zelebriert werden. Zur Show gehören bei uns allerdings langfädige Analysen, Interviews in der Wandelhalle und der Präsident, der die Glocke läutet. Da wäre schön noch etwas mehr möglich. Unser Highlight ist ja, wenn Ueli Maurer dem Reporter "kä Lust" ins Mikrofon stöhnt.

 

Gute Ideen sind also gefragt: Bei der Wahl von Viola Amherd hätte zum Beispiel die Walliser Sängerin Sina die Hymne singen können auf dem Bundesplatz. Karin Keller-Sutter hätte den Amtseid mit Kliby und Caroline ablegen können. Und die Unterlegen Kandidaten könnten auch etwas für mehr Rabatz sorgen, statt die Niederlage einfach klaglos zu gratulieren. Wenn sie schon nicht herum wüten wollen, dann könnten sie wenigstens flennen wie Roger Federer, wenn er verloren hat. 

 

Aber wahrscheinlich sind wir Schweizer gar nicht so showtauglich. Das Motto ist: unaufgeregt, bescheiden. Vielleicht sollte man Trump einmal einfliegen lassen, er hat ja jetzt Zeit und sich von ihm beraten lassen, wie man aus der Schweizer Bundesrats-Show mehr herausholen könnte. Kaum auszudenken, wie so eine Wahl vonstatten gehen würde. Der neue Mann oder die neue Frau würde sich vor dem Volk als absoluter Siebesiech zelebrieren, die Patrouille-Suisse übers Bundeshaus donnern und Bernhardiner-Hunde den Zuschauern Freischnaps spendieren. Musikalisch müsste Trump noch etwas kreative werden - so gross ist die Auswahl nicht. Vielleicht Krokus - alles andere ist ja eher behäbig. Ausser vielleicht  noch Gölä - aber der wird mit seinen Büezerbuebe schon fürs Erstürmen des Bundeshauses gebraucht. 

 

Man müsste noch etwas an den Detail feilen. Aber für das gibt es ja den Bachelor-Kanal, da kann man sicher eine lüpfige Castingshow draus machen. Nur muss man sich beeilen. Trump wird vielleicht schon bald wieder in den USA erwartet - denn nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. The Show Must Go On!