Und wieder droht der Lockdown

Jammern hilft ja nichts. Und auch wenn die Aussichten auf einen erneuten Lockdown wenig verheissungsvoll sind, so wollen wir doch positive Aspekte an der Situation suchen. Welche Vorteile hat es, zu Hause zu bleiben? 

 

Nun, es hat beispielsweise finanziell positive Aspekte. Man braucht weniger Geld. Keine Beizenbesuche, keine Spontankäufe in Läden, weniger Spritkosten. Ausser man gibt die ganze Kohle beim Online-Shopping aus. Diese Gefahr ist latent vorhanden. Nur schon, um das Homeoffice gemütlich und praktisch einzurichten, braucht es Investitionen. Und das Geld ist online auch so herrlich schnell ausgegeben. Ein Klick und erledigt ist der Deal. Deshalb lautet mein neues Credo: Geiz ist geil! Ab jetzt wird jeder Rappen doppelt gedreht, bevor er ausgegeben wird. 

 

Schön ist es auch, mit der Familie mehr Zeit zu verbringen. Solange jedenfalls, wie sich die Kinder nicht im Dschungelcamp wähnen und wie wild durchs Haus rasen. Aber solange es friedlich ist, ist es ein Genuss miteinander vereint zu sein. Gerade als Vater, der sonst in der Regel auswärts arbeitet, merkt man, wie die Bindung zu den Kindern gleich noch etwas tiefer wird. Man erlebt mehr von ihrem Alltag mit. Aus egoistischen Gründen müsste man die Schule sogar fast bitten, wieder auf Homeschooling umzustellen. Die Erfahrungen während dem ersten Lockdown waren aber offenbar derart schlecht, dass das nur im äussersten Notfall wieder der Fall sein wird. Mich freilich hat es gedünkt, dass die Kinder gar nicht so viel weniger - um es defensiv zu formulieren - gelernt haben. 

 

Auch, dass der Arbeitsweg wegfällt, ist ziemlich praktisch. Diese Zeit kann anderweitig genutzt werden. Während des ersten Lockdowns habe ich beispielsweise fleissig Mobilityübungen gemacht für mehr Beweglichkeit. Kaum lockerte der Bundesrat die Massnahmen, verkrampften sich auch wieder meine Muskeln. Ein zweiter Lockdown wäre jetzt quasi eine zweite Chance. Vielleicht schaffe ich irgendwann trotz meines biblischen Alters doch noch den Spagat. Dann würden meine Arbeitsgspänli sicher schön staunen während der Videokonferenz. 

 

Ja, die Videostreams haben auch etwas Gutes. Nicht nur im beruflichen Alltag, sondern auch im privaten. Ich schätze es zum Beispiel, mit den Eltern per Facetime zu telefonieren. Zwar habe ich jedes Mal wieder ein "Gheu" bis es funktioniert. Aber, wenn es dann tut, ist es noch lustig. Bei den verwackelten Bildern lernt man die Menschen von ganz neuen Seiten kennen. 

 

Ganz praktisch ist der Lockdown auch, wenn man im Januar "Ramadan" machen will. Also nicht im religiösen Sinne, sondern zum Beispiel der freiwillige Verzicht auf Alkohol im Januar. Mittlerweile haben sich diese Sitte zwar schon derart viele Leute angewöhnt, dass der Tagi bereits miesepetrige Artikel dazu verfasst und unkt, dass das alles nichts bringt. Aber trotzdem erntet man in normalen Zeiten immer noch schiefe Blicke, wenn man in einer feuchtfröhlichen Runde auf den Alkohol verzichtet. Spassbremsen mag keiner. Dabei kann man doch auch ohne Alkohol lustig sein oder so...

 

Nix saufen, nix shoppen, nix stressen. Bei diesen Aussichten mischen die Engel die Haferflocken an. Lockdown Halleluja.