Am Sonntag brüllen im TV die Motoren

Immer sonntags brüllen im TV die Motoren: Top Gear,  eine herrlich bescheuerte Sendung. Drei Männer im GT. Unglaubliches liessen sie sich einfallen, um das Auto von der besten Seite zu präsentieren. Sie inszenierten Verfolgungsjagden in Albanien, Rennen gegen Düsenjets oder fuhren hinauf zum feuerspeienden Vulkan. Besonders mochte ich, wenn sie sich zu einem Abenteuer aufgemacht haben und durch ferne Länder gereist sind. Manchmal kamen dann auch nicht die sündhaft teuren Autos zum Einsatz, sondern schrottreife Karren.

 

Garniert war die Sendung mit einer gehörigen Portion britischem Humor. Politisch unkorrekt und vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäss. Deshalb verwundert es nicht, dass die erfolgreiche Sendung im öffentlichen Fernsehen abgesetzt worden ist. Heute läuft sie kostenpflichtig auf Amazon. Top Gear gibt es wohl noch - aber nicht mehr mit denselben Moderatoren. Das ist wie wenn man bei den Rolling Stones das Personal durch eine Primarlehrer-Band ersetzen würde. Der Rock 'n' Roll geht flöten. 

 

Tja, und so hat der Sonntagabend vor dem TV stark an Reiz verloren. Dabei war das jeweils so herrlich entspannend, aufgeschichtet wie die Bremer Stadtmusikanten sass die ganze Familie auf dem kleinen Ikea-Sofa vor dem Apparat. Diese Momente sind vorbei. Auch Deffi haben wir gerne zugeguckt, wenn er irgendwas im Haus oder Garten zusammen baute und sich dabei herrlich aufregte. Aber auch diese Sendungen schauen wir schon lange nicht mehr. Heute kommt am Sonntagabend eigentlich gar nix "Schlaues" mehr. Ausser ein paar deutsche Autosendungen. Die sind aber nicht mal halb so lustig wie Top Gear. Ein Protagonist hat aber mein Interesse geweckt: der Folien-Prinz. Das ist ein Berliner mit womöglich türkischen Wurzeln. Irgendwas in diese Richtung. In seiner Werkstatt arbeiten ganz viele Leute, es geht ziemlich familiär zu und her, und irgendwie alle werden mit "Bruder" angesprochen, geherzt und geküsst. 

 

Zu seinen "Brüdern" - also Kunden - gehören auch Cervelat- oder präziser Kebab-Prominente. Sie lassen ihre fetten Karren beim Folien-Prinzen mit einer Folie bekleben, so dass die Karren danach noch auffälliger aussehen. Das ist wohl keine Sendung, die man 1000mal anschauen muss, der Umgang mit den Angestellten und den Kunden sowie das Folieren sind aber noch interessant. Ich hätte jedenfalls die Nerven nicht, eine Folie auf einem dieser teuren Autos anzubringen. Da muss man pingelig genau arbeiten, mit scharfen Messern in der Nähe des Lacks operieren und über ruhige Hände verfügen. Wenn etwas schiefgeht, gibt es bestimmt mächtig Zoff unter den Brüdern. Aber eine solche Szene habe ich bislang noch nicht gesehen beim Folien-Prinz.

 

Da war es früher bei American Chopper etwas handfester. Da gerieten sich Vater und Sohn jeweils zünftig in die Haare, wenn sie miteinander Motorräder bauten. Am Anfang gingen noch Türen in die Brüche, später gab es sogar juristische Auseinandersetzungen. Irgendwann trennten sich ihre Wege. Jetzt haben sie anscheinend wieder zueinander gefunden. Nach x-Jahren Pause gibt es neue Folgen der Serie. Ich habe mal kurz reingezappt. Aber der Reiz war irgendwie nicht mehr da. Alles hat eben seine Zeit. 

 

Und bei uns ist im Moment eher die Zeit für Kinderfilme. Sogar wenn ich eine Serie schauen wollte, so würde ich vom Sofa verscheucht. Sonst gibt es heute statt Motorengebrüll das Gebrüll der Kinder.