Noch immer grassiert der Geldscheisser

Corona legt ganze Branchen still. Leute bangen um ihre Existenz. Demonstrationen werden abgehalten, Mahnfeuer entzündet. Trotzdem geht der Albtraum immer weiter. Neuste Entwicklung: Der Teil-Lockdown dürfte bis Ende Februar verlängert werden. Die Verzweiflung steigt. Manche Beizer wollen nun deshalb am Montag ihre Lokale trotzdem öffnen. Und so Widerstand leisten gegen die Massnahmen. 

 

Im scharfen Kontrast dazu steht die Meldung, dass im Kanton Zürich im vergangenen Jahr für 4,9 Millionen Franken Autonummern versteigert wurden. Zum Vergleich: Der aktuelle Stand der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern beträgt fast 2,5 Millionen Franken. Also halb so hoch. 

 

5 Millionen Franken für Kontrollschilder. Ganz offensichtlich gibt es immer noch Leute, die auch in diesen Zeiten am Geldscheisser leiden. Den Rekorderlös erzielte ZH 555 mit 60'400 Franken. Das liegt über dem durchschnittlichen Jahreseinkommen im Gastgewerbe

 

Für andere sind 60'400 Franken ein Pappenstiel. Man kann locker einen solchen Betrag ausgeben, um mit einer dreistelligen Nummer rumzukurven. Als Appenzeller könnte ich dieses Privileg zur Zeit günstiger haben. Aktuell in der Auktion befindet sich zur Zeit etwa AR 71. Mindestgebot sind 7000 Franken. Einen Tag vor Ablauf der Auktion ist noch kein Angebot eingegangen. Für die dreistellige Nummer AR 106 müsste man 5000 Franken berappen. 

 

Es gibt Leute, denen ganz wichtig ist, was für eine Autonummer sie haben. Mir ist das relativ egal. Was hat man von einer tiefen oder besonderen Nummer? Gewinnt man an Prestige, wenn man zum Beispiel mit ZH 66* unterwegs ist? Schalten dann die Ampeln auf grün. Winken einem die Leute anerkennend zu? Derzeit sind auch die Chancen klein, dass im Stadion die Durchsage kommt: "ZH 66* bitte umparkieren." Dann würde natürlich das ganze Stadion dem tollen Hecht Applaus spenden. Aber eben, im Moment hat es keine Zuschauer im Stadion. Also fällt das umparkieren aus.

 

Vielleicht müsste man es machen wie jener Walliser Unternehmer, der das Kontrollschild VS 1 ersteigert hatte für 160'000 Franken. Als Zeichen des Protests befestigte er es dann nicht an seinem Fahrzeug, sondern in einem Mahnmal. 

 

Damit wären wir zurück beim Protest. Bei den einen geht es um die Existenz, bei den anderen um den Stolz.