Nach dem Training wird renoviert

Aller Anfang ist schwer. Das gilt bereits bei der Montage der Dartscheibe. Im Internet steht, dass das Bullseye - also die Mitte der Scheibe - exakt auf 1.73 Meter sein muss. Ganz Perfektionist wird die Scheibe auf dieser Höhe festgeschraubt. Und der Abwurfpunkt liegt 2.37 Meter weit entfernt. Also genau beim Verkäuferli-Laden meiner Tochter. Ganz, ganz nett frage ich, ob der Laden weg kann. Als Antwort ernte ich böse Blicke und wütendes Stampfen. Nun gut, wir sind im Land der Kompromisse. Der Laden bleibt und der Abwurfpunkt wird Richtung Brett verlegt. Als Anfänger ist es vielleicht gar nicht so schlecht, etwas näher am Ziel zu sein. 

 

Danach werden die Buben zum Spiel eingeladen. Sie freuen sich bestimmt, dass ich die Dartscheibe montiert habe. Hat ja nur circa zwei Jahre gedauert. Als sie dann aber zum ersten Mal vor der Scheibe stehen, richten Sie ihre Blicke staunend nach oben. Als würden sie in der Skyline Manhattans hinauf zu den Dächern im Himmel schauen. "Papa, das ist ja viel zu hoch!", sagen sie. Mit einem Lächeln kläre ich sie auf, dass das die vorgeschriebene Höhe ist, auf welcher auch die Profis spielen. Und es sei bestimmt besser, gleich so zu üben. Als der Kleine aber demonstriert, dass seine ausgestreckten Armen nicht einmal hinauf bis zu den im Brett steckenden Pfeilen reichen, lasse ich mich überzeugen. Die Dartscheibe muss weiter runter. 

 

Dann aber los. Bald einmal lautet der häufigste Ausdruck "Ups". Denn die Pfeile mit ihren sauscharfen Spitzen landen phasenweise zwar irgendwo in der Nähe des anvisierten Zieles, regelmässig aber auch irgendwo sonst im Haus. Die Pfeile stecken - "Ups" - in der Yogamatte, - "Ups" - in der Wand, - "Ups" - im Ölschinken von General Berset. Meine Frau und ich nehmen's fatalistisch. Irgendwann müssen wir sowieso renovieren. Die Bobby-Car-Verfolgungsjagden haben ja auch schon Spuren hinterlassen.

 

In den nächsten Tagen wird jetzt also fleissig trainiert. Und der Termin bei Tätowierer ist auch schon reserviert. Denn jeder Dartspieler, der etwas auf sich hält, hat eine Tätowierung. Ich steche mir vermutlich einen Anker, die Kinder schwanken noch zwischen Globi oder Lewandowski.

 

Auch die Salat- und Gemüsewochen nach den Festtagen haben wir abgeblasen. Die dicken Bäuche gehören zu diesem Sport. Also futtern wir jetzt Fastfood und Süssigkeiten. Jede Leidenschaft fordert Opfer. Mal schauen, wo wir die 180  zuerst schaffen, auf der Dartscheibe oder auf der Waage...