Herisau im Konzert der Grossen

In der Stadt Zürich können sich bald nur noch Senioren an die Zeiten erinnern, in welchen kein Sozialdemokrat Stadtpräsident war.  Vor dreissig Jahren (1990) war es, als Thomas Wagner von der FDP sein Amt an SP-Politiker Josef Estermann abgeben musste. Seither ist das Amt bombensicher in den Händen der Sozialdemokraten. Auf Estermann folgte Elmar Ledergeber und 2009 die heutige Stadtpräsidentin Corine Mauch. 

 

Auch in der zweitgrössten Schweizer Stadt, Genf, ist mit Sami Kanaan ein Roter an der Spitze. Bald ist das auch in Basel wieder der Fall. Der ehemalige SP-Nationalrat Beat Jans löst Elisabeth Ackermann von den Grünen als Regierungspräsident von Basel Stadt ab. Eine Ausnahme im Konzert der Grossen bildet Winterthur mit CVP-Politiker Michael Künzle - und bis vor Kurzem auch die Stadt St. Gallen. Dort war von 2007 bis Ende 2020 mit Thomas Scheitlin ein FDP-Politiker Stadtpräsident. Seit Anfang Jahr ist das Amt zurück bei den Linken: Maria Pappa hat Scheitlin abgelöst. 

 

Das beschauliche Herisau gehört ganz gewiss nicht zur Liste der grössten Schweizer Städte. Dafür kultiviert man hier mit fast 16'000 Einwohnern das Bild als grösstes Dorf der Schweiz. Man will tunlichst keine Stadt sein, und gerät mal ein Gemeindepräsident trotzdem etwas in den "Grössenwahn" wird er mehr oder weniger sanft entsorgt. 

 

Ob Stadt oder nicht: Dem Trend, einen Sozialdemokraten an der Spitze zu haben, könnte Herisau womöglich bald folgen. Zur Wahl als Gemeindepräsident stellt sich nämlich Max Eugster. Je nach Konstellation könnte er durchaus Wahlchancen haben im bürgerlichen Herisau. Allerdings: Die Wahl wäre eine mittlere Sensation. Bis vor nicht allzu langer Zeit schien der Platz für die FDP reserviert zu sein. Doch am 23. Oktober 2013 geschah das Ungeheuerliche. Der FDP-Kandidat verlor das Rennen gegen den SVP-Kandidaten Renzo Andreani. Kein Linksrutsch zwar, aber doch eine Trendwende. 

 

Denn Andreani konnte sich nur gerade sechs Jahre im Sattel halten, dann wurde er abgewählt - weshalb auch immer - und durch den parteilosen Quereinsteiger Kurt Geser ersetzt. Die FDP hatte damals nicht einmal den Gedanken, den Sitz zurückzuholen. Sie war also nur Zuschauerin, als andere um den Sitz balgten. Ob es dieses Mal anders sein wird, wird sich zeigen. Ausser der SP wollen sich die Parteien noch nicht festlegen. Man gibt sich schon fast überrascht, wie schnell oder wie früh die SP ihren Kandidaten nominiert. Vielleicht ist es aber auch bloss leiser Neid, dass die SP bereits jemanden geeignetes gefunden hat, während man selber noch im Trüben stochert und keinen Namen präsentierten kann. Wer weiss, wer weiss?

 

Die Spekulationen haben bestimmt bald ein Ende. Spätestens am 11. April. Dann wird nämlich ein neuer Gemeindepräsident gewählt.