Dummes Zeugs und so

Apropos Political correctness: da kommt einem auch die Weltwoche in den Sinn. Von vielen als SVP-Blatt verschrien. Kein Wunder: Verleger Roger Köppel ist SVP-Nationalrat. Und es kommen viele Leute im Blatt zu Wort, die nicht stramm links stehen. Für viele ist dies ein rotes Tuch - vor allem für viele Journalisten. Immer mal wieder müssen spitze Bemerkungen in Texte eingebaut werden. Kürzlich etwa berichtete das Tagblatt über den neuen SVP-Generalsekretär, der unter anderem auch schon für die Weltwoche tätig war. Und dort hat er offenbar eine „furchtbar dumme“ Forderung verbreitet. In der Weltwoche falle diese aber nicht gross auf. Dieser Hinweis war für die Leserschaft wohl besonders wichtig. Damit auch jeder weiss: in der Weltwoche steht furchtbar dummes Zeugs. 

Und ja, in der Weltwoche steht tatsächlich dummes Zeugs. Wie wahrscheinlich in jeder anderen Zeitung auch. Ehrlicherweise hat es aber auch immer wieder interessante Artikel im Blatt. Vor allem gibt es immer wieder spannende Leute zu entdecken. In der jüngsten Ausgabe etwa den Chefdirigenten des Zürcher Tonhalle-Orchesters, Paavo Järvi. Natürlich auch er einer, der die gewohnten Muster aufbricht. Bei seinem Einstand spielt er nicht Mahler, Bruckner oder Brahms ein, sondern Messiaen. Dass sich dieser nicht einfach verkauft, war ihm egal. „Die künstlerischen Aspekte sollen nicht vom Marketing gelenkt werden. Wir Künstler machen etwas, dann soll es jemand kaufen. Das ist mein Weg.“

Erinnert an Comedian Felix Lobrecht, der auch keine Angst hat, Fans zu verprellen. In einem Interview zitierte er den Spruch von Rapper Drake:  „I never bend my morals für the ticket sales.“ (Ich verbiege meine Moral nicht für Ticketverkäufe)

Dann gibt es auch ein Interview mit der Journalistin Barbara Amiel-Black (80). Gemäss Weltwoche gehörte sie in ihrer Blüte als schärfste Feder auf beiden Seiten des Atlantiks. Mit 51 heiratete sie ausserdem den mächtigen Verleger Conrad Black und schaffte den Aufstieg in die High Society. Das Interview trägt den Titel: „Meine Leidenschaft waren die Oper, Sex und Kleider.“

Grenzüberschreitungen und Tabubruch liebt auch die französische Autorin Leila Slimani. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt, dem bedeutensten Literaturpreis Frankreichs, wurde ihr von Präsident Macron der Posten der Kulturministerin angeboten. Sie sagte ab. Und so haut sie weiter in die Tasten und ist gemäss „Weltwoche“ eine Ikone für den unerschrockenen Kampf für die Sache der Frau, für die Gerechtigkeit und die Gewaltlosigkeit zwischen den Geschlechtern. Vielleicht ist das „dummes Zeugs“. Muss jeder selber wissen. 

Aber natürlich gibt es auch fragwürdige gestalten im Blatt; und damit ist nicht in erster Linie alt SVP-Nationalrat Mörgeli gemeint, sondern etwa das Interview mit Bestseller-Autor Douglas Murray. Er wird zur Corona-Pandemie, China, die woke-Bewegung und Big Tech befragt. Seine Ansichten kann man gut finden oder auch nicht. Vielleicht sind sie auch dummes Zeugs. Abschliessend kann ich mir noch keine Meinung bilden, da ich vorher noch nie von diesem Bestseller-Autor gelesen hatte. Mir schwant schon Böses, wenn ich diesen bei Google eingebe. Er jedenfalls sagt: „Man versucht Diskussionen abzuwürgen, die zu führen wichtig ist.“