Mit Hazel um die Welt

 Es gab einen richtigen Hype um sie. Ich konnte mit der "bösesten Frau der Schweiz" aber nicht so viel anfangen. Doch dann in diesem Sommer ein Interview im Tagi, das ich als cool im Kopf abgespeichert habe, obwohl ich mich an den Inhalt nicht mehr erinnern kann. Deshalb habe ich dann kürzlich bei YouTube doch mal ein paar Sachen von Hazel Brugger angeklickt. Gar nicht so schlecht. Vor allem die Kurzstrecke mit Pierre M. Krause fand ich noch witzig. 

Ja, jetzt finde ich Hazel Brugger auch cool. In einer Folge von ihrer Serie "Deutschland was geht?" trifft sie in einem Fitnessstudio Felix Lobrecht. Noch so einer der Gehypten, der mir bis anhin unbekannt war. Aber eben, der Vorteil von YouTube ist, man tippt den Namen ins Suchfeld und schaut, was passiert. 

 

Von der Schweizer Comedy her ist man sich ja einiges gewohnt  - vor allem viel Verkrampftes. So richtig bissig wird es selten. Und selten wird es auch richtig lustig. Aber immerhin stehen die Komiker in der Regel auf der Seite des Guten. Es ist die Tempo-30-Zone des Humors. 

 

Felix Lobrecht dagegen ist die deutsche Autobahn des Humors. Kein Limit. Vollgas bis unter die Gürtellinie. Und das anscheinend super erfolgreich. Indiz dafür: In diesem Jahr wurde er in Deutschland mit dem Comedy-Preis geehrt. Lobrecht macht sich auf der Bühne über Randgruppen wie Behinderte, Ausländer oder die „Friday for Future“-Bewegung lustig. 

 

Seine Sprache ist derb. Er spricht von Opfern und Hurensöhnen. Seine Comedy kann man doof finden. Aber natürlich spielt Felix Lobrecht mit der Political Correctness. Denn diese kippe durch die akutelle Interpretation ins Lächerliche. Der 32-Jährige hat Politikwissenschaften studiert und sagt: „Ich habe das Gefühl, dass es meine Aufgabe ist, manchmal drüber und eklig zu sein, damit wir nicht so krass verweilichen.“ 

 

Aufgewachsen ist er in Berlin-Neukölln. Bekannt als Problembezirk. Der einstige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bezeichnete den Bezirk einst als „Slum“. Und aus diesem Slum stammt also Lobrecht. Das gibt ihm die Street credibility. Er darf gegen unten treten, weil er selber von unten kommt. Heute kokettiert er mit seinem Reichtum, trägt eine Rolex. Seine Bekanntheit verdankt er YouTube und Netflix. Im Fernsehen tritt er nur selten auf. Denn: „Fernsehen hat immer mit Kompromissen zu tun.“ Und Kompromisse macht einer wie er nicht. Und so kommt sein Humor hart daher - wie beispielsweise in der Serie Comedy Roast. 

 

Bei Comedy Roast machen sich die Comedians gegenseitig fertig. Starker Tobak - aber auch noch witzig. Offenbar ist das Format ein Erfolg, denn sogar das Schweizer Fernsehen hat es ausprobiert. Mit Künstlerinnen und Künstlern, die häufig im Fernsehen auftreten. Und wie wir eben gelernt haben, hat Fernsehen mit Kompromissen zu tun. Bleibt eine Veranstaltung zum Wegzappen. 

 

Dann doch lieber YouTube. Hazel Brugger hat ganze Serien gedreht: „Deutschland Was Geht“ und „Europa Was Geht“. Da gibt es nicht nur Felix Lobrecht zu entdecken, sondern noch ganz viele andere Leute und Welten. 

 

Bildquelle: www.2eight.de Stefan Brending