Vielleicht brauche ich eine Meerjungfrau

Sonntagabend. Bald sind die Ferien vorbei. Drei Wochen, unspektakulär - aber schön. Und unerwartet nostalgisch. 

 

Wir haben grosse Pläne geschmiedet: Amsterdam, Skandinavien, Italien. Am Ende waren wir wieder im Wallis. Auf der Alp. In der kleinen Hütte ohne Strom. Möchte man nicht wissen. Auch wenn ein Abstecher ans Meer auch mal wieder ganz schön wäre. 

 

Auf der Alp ist es aber immer sehr lustig. Da die elektronischen Gerätli nicht funktionieren, bleibt viel Zeit zum Spielen: Uno zum Beispiel. Und in diesem Jahr neu im Programm: Dart. Es gehört bei uns ja seit Jahren zur Tradition, dass wir in der Altjahrswoche die Darts-WM mitverfolgen. Die tätowierten Männer mit dicken Bäuchen, welche die Pfeile millimetergenau in die kleinen Felder werfen. Und dazu die wildgewordenen Fans, die lautstark singen und feiern. Lustig. 

 

Der beste Spieler aller Zeiten, der Roger Federer des Darts, Phil Taylor ist zwar mittlerweile abgetreten. Damit ist auch etwas an Reiz verloren gegangen. Aber neue Stars werden kommen. Wir werden aber eher nicht dazu gehören. Zu spät haben wir mit dem Dartspielen begonnen. Immerhin: Nach einigen Stunden üben, stellen sich erste kleine Erfolge ein. 

 

Die Pfeile landen aber nur ganz selten dort, wo sie sollten. Manchmal segeln sie auch an der Scheibe vorbei in die Scheiterbeige oder sogar in die Wiese zu den Grashüpfern, die wohl eher nicht damit gerechnet haben, dass sie von Pfeilen aufgespiesst werden könnten. 

 

Jedenfalls ist es beeindruckend, wie präzise, die Profis die Pfeile in den Feldern platzieren. Vielleicht liegt es ja an den Tattoos. Ich könnte mir ja auch einmal eine Seejungfrau auf den Arm stechen lassen. Vielleicht hilft das. 

 

Apropos Tattoos: In der Badi waren wir auch einmal. In Herisau. Hatten die Badi fast für uns alleine. Wo waren all die Leute? Früher hat hier doch immer Hochbetrieb geherrscht im Sommer. Oder trügt die Erinnerung? Denke immer gerne an diese Zeit zurück. Damals als wir noch im Saft waren. 

 

Heute ist der Ausblick in der Badi ja oft eher bescheiden. Vor allem im Family-Corner, mit den welkenden Tätowierungen und den aus dem Leim laufenden Figuren. Jugend, wo bist du geblieben? 

 

Schnell zurück auf die Alp. 

 

In diesem Jahr haben wir einen Ausflug unternommen, der in meiner Allzeit-Hitparade ziemlich weit vorne rangiert - und zwar ins Turtmanntal. Wir sind zum Stausee gelaufen, der in der Nähe der Gletscher liegt. Wunderschön. Das Wasser fliesst in den See, der aber nicht allzu voll war. Dadurch hatte es einen Strand fast wie am Meer. Und so kamen die Kinder auch ohne Ausflug nach Italien zum Sändelen. Noch höher im Kurs stand allerdings das Bauen einer Staumauer im eiskalten Wasser. 

 

Nach ca. 30 Sekunden schmerzten die Füsse im kalten Wasser jeweils so sehr, dass man wieder ans Ufer zum Aufwärmen musste. 

 

Zum ersten Mal überhaupt habe ich wohl Edelweiss gesehen - und Alpenrosen hatte es auch. Auf dem Retourweg begleitete uns ausserdem ein Pfeifkonzert. Murmeltiere, die sich auf diese Weise vor Angriffen von Adler warnen. Ein schöner Ausflug. 

 

Leider hatten wir kurz danach einen Todesfall in der Familie. Normalerweise halte ich ja gerne etwas Abstand zu solchen Ereignissen. Bloss nicht zu nahe an sich rankommen lassen. Das war in der kleinen Alphütte fast nicht möglich.

 

Die Abdankung im Wallis war etwas anders als bei uns. Kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass wir schon jemals den Rosenkranz oder 5-Wunden gebetet hätten.

 

Ich war vorher erst einmal dabei beim Rosenkranz-Gebet. Für die Zeitung musste ich an eine Gedenkveranstaltung in Appenzell. In Erinnerung an den Dorfbrand von anno dazumal. Die Kirche war voll besetzt und alle beteten den Rosenkranz. Das hat mich ziemlich beeindruckt damals. Wer noch nie dabei war, sollte mal mitmachen. Dank der Wiederholungen kann man ja selbst als Anfänger etwas mitmurmeln. 

 

Die Zeit im Wallis haben meine Frau und ich ausserdem für einen kleinen Roadtrip durch die Westschweiz genutzt. Vom Abstecher ans Paléo-Festival habe ich schon berichtet. Wir waren aber auch am Genfersee unterwegs und haben auch einige Stunden an der Fête des Vignerons in Vevey verbracht. 

 

In Vevey war ich einmal als Kind mit meinen Eltern in den Ferien. In einer Siedlung mit anderen Kindern. In ein Mädchen war ich damals sogar ein wenig verliebt. Die Feriensiedlung scheint es aber nicht mehr zu geben. Und auch in Vevey habe ich nichts wiedererkannt. Aber: Im nächsten Jahr werden wir an den Genfersee zurückkehren und Ferien machen. 

 

Das mit dem Verlieben lass ich dann aber weg. Nicht damit ich meiner Frau noch die Ferien verderbe. 

 

Wobei ich dann vielleicht auch das Eile-mit-Weile sein lassen sollte (s. vorheriger Blog-Eintrag). Ich habe zwar meine Familie nicht ans Meer gebracht, aber immerhin auf die Palme. 

 

Schade, sind die Ferien schon vorbei. Mal so richtig viel Zeit mit der Familie zu verbringen - das ist einfach unbezahlbar.