ça marche

Wir sind unterwegs. Auf der der Route des Coudres. Irgendwo im Chrachen draussen. Tiefer und tiefer tauchen wir in die Westschweiz ein. Auf der Suche nach dem Hotel, das wir ohne viel zu überlegen reserviert haben.

 

Das Hotel stellt sich als ökumenisches Seminarzentrum heraus. Über dem Bett schaut Jesus zum Rechten. Allerdings: Sünden sind keine zu erwarten. Das Zimmer teilen meine Frau und ich. 

 

ça marche. 

 

Wenn wir aus dem Fenster blicken, sehen wir den Genfersee. Seufz. Was für eine schöne Gegend. 

 

Früher sagte man immer, dass die Deutschschweizer das Retourbillett aus dem Fenster schmeissen, wenn der Zug kurz vor Lausanne aus dem Tunnel kommt  und sich den Reisenden die Pracht der Weinberge und des Sees präsentiert.

 

Viellicht mit ein Grund, weshalb sich die Fenster heute nicht mehr öffnen lassen in den Zügen.

 

Der Grund für unseren Abstecher in die Westschweiz ist das Paléo-Festival. Es ist mein erster Besuch in Nyon, entsprechend gespannt bin ich. Schliesslich gilt das Paléo als eines der schönsten Openairs der Schweiz. 

 

Der Einlass ist herrlich unkompliziert. Keine Sicherheitskontrolle. Man kann auf das Gelände mitnehmen was man will. Keine doofen Beschränkungen. 

 

Es gibt zwei grosse Bühnen und unzählige Food-Stände mit Speisen aus aller Welt. Wir versuchen es mit Libanesisch und ergattern einen Platz im Schatten und trinken ein Gläschen Wein. Neben uns purzeln schon die ersten Leute von den Stühlen. Man muss höllisch aufpassen bei diesen Temperaturen. Fast 40 Grad. 

 

Viel trinken, aber besten nicht nur Alkohol. Selber werde ich zum Stammkunden am Rivella-Stand. 

 

Je tiefer die Sonne sinkt, desto Länger werden die Warteschlagen. Am Nachmittag freue ich mich noch über die sehr grosszügigen Platzverhältnisse, ein Trugschluss, wie sich am Abend herausstellt. Auch in Nyon herrscht Gedränge auf dem Gelände. 

 

Musikalisch begeistert und der Abend weniger. Wobei Tash Sultana eine echte Entdeckung ist. Sie tritt ganz alleine auf und spielt alle Instrumente selber. Das Publikum ist begeistert. Was man beim Auftritt von Charlotte Gainsbourg nicht behaupten kann. Bis zum Ende des Konzerts hat die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin (Je T'aime... Mai Non Plus) den Platz fast leer gespielt. 

 

Die Show mit dem stampfenden Sound und der zu epileptischen Anfällen führenden Lichtshow ist etwas gar speziell. 

 

Charlotte Gainsbourg verzichtetet denn auch freiwillig auf eine Zugabe und tritt vorzeitig ab. Und auch ich dränge zum Aufbruch. Es ist Mitternacht.

 

Im Zimmer wartet Jesus. Zurück auf die Route des Coudres.