Und wieder wecken mich Kanonenschüsse

Kurze Bibelkunde: An Heiligabend wird Jesus geboren,  an Karfreitag stirbt er und an Fronleichnam ist Lehrerkonferenz. 

 

Jedenfalls in meinem Heimatkanton ist an Fronleichnam  Lehrerkonferenz - im Wallis ist das anders. Es ist ein hoher Feiertag - samt Prozession im Dorf. In diesem Jahr sind wir sogar extra angereist. Eigentlich wollten wir den Zug nehmen, dann entschieden wir uns doch spontan fürs Auto. Womöglich eine Fehlentscheidung. Die Kinder mutierten auf den kurvigen Strassen zu Erlebnisduschen.

 

Dafür sind wir in Rothenthurm zufällig der Tour de Suisse begegnet. Das Feld ist in einem Affenzahn durchs Dorf gebrettert. Wir standen vis-à-vis vom Radarkasten. Er war gastfreundlich nicht in Betrieb. In der Stadt St. Gallen wäre dies eventuell anders. Dort wurden jedenfalls die Teilnehmer einer Classic-Rallye gebüsst. Freilich habe ich mich nicht in die Details vertieft. 

 

 

Das soll heute auch nicht das Thema sein. Es geht um die Prozession. Schon früh am Morgen böllerten von allen Hügeln die Kanonen. Für uns Herisauer ein Déjà-vu. Diese Woche hatten wir bereits Kinderfest. Da werden jeweils auch die Leute am Morgen mit Kanonenschüssen geweckt. Und bei uns sind danach die Trömmelibuebe unterwegs. Im Wallis die Trommler und Pfeifer. Die tönen für unbedarfte Auswärtige ein wenig nach Basler Fasnacht. 

 

Statt Schnitzelbänke gibt es aber einen Gottesdienst. Der langhaarige Rocker-Pfarrer war heute aber in einem anderen Dorf beschäftigt. Stattdessen übernahm ein Grüezi - also ein Deutschschweizer aus dem St. Galler Oberland. Vorteil: Man hat ihn verstanden. Die Kirche war vollbesetzt. Kein Wunder: Das halbe Dorf ist irgendwie involviert in den feierlichen Anlass. Im Mittelgang formierte sich die Ehren-Kompanie. Männer im Militärgewand mit Gewehren und Helmen. Die Trommler und Pfeifer waren auch da, der Kirchenchor ebenfalls. Und auch die Schützen-Veteranen. 

Vor dem Start der Prozession gab dann einer das Kommando, wer sich wo einzureihen hatte. Dann drehte der Umzug im Dorf eine Runde. Im Dorf waren zwei Altare aufgebaut, wo der Pfarrer kurz etwas sagte und mit dem WC-Beseli den Segen erteilte. Natürlich wurde auch wieder die Kanone abgefeuert. 

 

Zum Abschluss wurde in der Kirche noch Grosser Gott wir loben Dich gesungen. Dann gab es draussen Apero und pünktlich zum Apero auch Regen. Etwas das noch nie vorgekommen sein soll. Am Herrgottstag  - so wird Fronleichnam im Wallis genannt - habe es noch nie geregnet, berichteten die Einheimischen. Jedenfalls nicht während des Apero. 

 

Aber man reagierte gelassen und sass den Regen einfach aus. Nach Messe und Prozession lässt man sich im Wallis den Weisswein eben nicht so schnell verleiden. Amen.