Wenn Rimini vor der Haustüre liegt

Sonntagmorgen. Zeit zum Ausschlafen. Das mögen auch die Kinder. Unter der Woche, wenn sie in die Schule müssen, liegen sie jeweils noch ganz verschlafen im Bett, wenn sie aufstehen müssten. Da ist es klar, dass sie am Sonntag ausschlafen wollen. Denkste. 

 

Gefühlt kurz nach 5 Uhr geht das Gehüpfe los in der Bude. Und schon bald schreien einem die Kinder ins Ohr: "Papi, gehen wir ins Hallenbad?" 

 

Selbstverständlich gehen wir ins Hallenbad. Schliesslich kann sich Papi kaum etwas Schöneres vorstellen, als am Sonntag ins Hallenbad zu gehen. Denn es hat dort nur etwa so viele Leute wie in Rimini an einem Sommertag. Und dann die vielen kleinen Kinder. Man kann sich bloss vorstellen, was alles im Wasser landet. 

 

Mit anderen Worten: 7000 innere Schweinehunde müssen überwunden werden, um sich das anzutun. Gegen aussen mimt man aber natürlich den Coolen. Packt die sieben Sachen und die Kinder ins Auto.

 

An der Kasse gibt es einen Monitor, auf welchem das Hallenbad zu sehen ist. Die Kinder haben eine Erkenntnis: "Papi, das hat aber viele Leute im Hallenbad."

 

Es hatte sogar so viele Leute im Hallenbad, dass fast keine Kabine frei war. Bloss eine. Als wir uns genauer umsehen, entdecken wir auf der Bank eine Damenbinde. So grusig.

 

Das wäre eigentlich Grund genug, wieder nach Hause zu gehen. Will man sich das Bad wirklich mit solchen Leuten teilen. Wäck!

 

Aber den Eintritt haben wir eh schon bezahlt. Also kämpfen wir uns zum Wasser vor. Im Warmwasserbädli hat es kaum Platz. Überall Schwimmflügeli, Mütter, Väter, Taucherbrillen. Die Kinder wollen sich aber unbedingt auch noch reinmosten. Denn im grossen Schwimmbecken ist ihnen das Wasser zu kalt. 

 

Was übrigens nicht nur ein Bluff ist. Der Grössere zittert wie Espenlaub im Bad. Ich musste ihn nach 30 Sekunden im kalten Wasser erlösen. Sonst wäre noch die Kesb mit der Seerettung angereist. Das wollte ich natürlich verhindern.

 

Deshalb ab ins Warmwasserbecken. wo die Kinder schon bald zu Toastbrotscheiben mutieren. Immer wenn sie den Kopf aus dem Wasser strecken, werden sie wieder untergetaucht. Irgendwie muss man sich ja beschäftigten. Das beobachten der Leute macht nämlich irgendwie nicht mehr so viel Spass wie früher im Freibad als wir noch jung und knackig waren. 

 

Inzwischen laufen wir schon alle etwas dem Leim. Fast alle Väter tragen einen Rettungsring um den Bauch. Und erstaunlich viele Mamis sind tätowiert. Hier eine Sonne auf der Schulter, da eine... ich weiss es gar nicht, hatte keine Lust mir das anzusehen. 

 

Ebenfalls erstaunlich. Sogar am Rimini-Familien-Sonntag hat es ganz gewöhnliche Leute im Hallenbad, die ihre Bahnen schwimmen wollen oder Wassergymnastik machen. Sie sind etwa so fehl am Platz, wie der Kirchenchor Oberfrutigen am Heavy-Metal-Konzert. Amen. 

 

Am Sonntag wird im Hallenbad geplanscht, gespritzt, vom Beckenrand ins Wassergehüpft, vom Sprungbrett die Arschbombe gemacht, die Kinder fünf Meter durch die Luft geworfen, gekichert, geschrien, Wasser geschluckt. Wer das nicht mag, sollte besser zu Hause bleiben. Auch Rimini ist nicht für jedermann.