Sieben Stunden unterwegs für ein Hockeyspiel

Sonntag. Die Frau und Kinder unterwegs. Ich alleine zu Hause. Was tun? Den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen, ist langweilig. Alleine spazieren gehen - kein Bock. Kino? Nö, keine Lust.

 

Aber in Davos ist doch noch ein Hockeymatch. Allerdings gegen Langnau. Not gegen Elend. Lohnt es sich, für so einen Gurkenmatch extra nach Davos zu reisen? Vor allem: Frau und Kinder sind mit dem Auto unterwegs. Das heisst für mich: Ich müsste den Zug nehmen. 

 

Schüchterner Blick in den Fahrplan. Über drei Stunden dauert die Fahrt von Herisau nach Davos. Sapperlot. Aber hey, die Gritta ist sogar aus Schweden mit dem Zug nach Davos angereist. Die war ein paar Stunden länger unterwegs. Allerdings nicht, um einen Hockeymatch zu schauen, sondern um den Eliten am WEF die Meinung zu husten. 

 

Dafür wird die Gritta jetzt ziemlich angegriffen. Meinen Respekt hat sie: Ich hätte das als 16-Jähriger nicht gemacht. Eine mutige junge Frau. So oder so. Was auch immer dahinter stecken mag. 

 

Ich habe mich schliesslich auch auf den Weg nach Davos gemacht. Ohne Botschaft, ohne Kartonschild. Und um ein Haar ohne Ticket. Die SBB-App funktionierte nicht. In St. Gallen musste ich erst einen Automaten aufspüren. Die Dinger - die ganze Generationen von Rentnerinnen und Rentnern in Panik versetzt haben - gibt es immer noch. 

 

Die Fahrt nach Davos verlief ziemlich ereignislos. Regen im St. Galler Rheintal, Sonne im Sarganserland, viele Skifahrer im Kanton Graubünden. Und nach Klosters schraubt sich die Bahn den Berg hoch wie früher der Zug am Gotthard. Bloss blocht er dort mittlerweile durch den Basistunnel. Solchen Schnickschnack gibt es auf dem Weg nach Davos noch nicht. Da wird noch getuckert. 

In Davos angekommen fällt auf. Die Limousinen, die das Strassenbild in den vergangenen Tagen in Davos prägten, sind weg. Was weiter auffällt: Die lange Kolonne vor der Kasse. Dabei hat es doch gar nie besonders viele Leute an den Spielen. Aber okay, es ist Ferienzeit. Pünktlich zum Anspiel schaffe ich es ins Stadion. Geile Stimmung. Auch wenn die Hütte erstaunlich leer ist, wenn man die lange Kolonne an der Kasse berücksichtigt. 

 

Die Davoser treten an diesem Nachmittag nicht wie eine Gurkentruppe vom Tabellenende auf. Sie spielen sogar ziemlich gut und haben die Tiger aus dem Emmental gut im Griff. Neben mir sitzt eine Familie aus dem Kanton Bern. Dekoriert als Langnau-Fans. Der Dreikäsehoch fragt irgendwann im Mitteldrittel: "Papi, spillt Langnau hüt gäge Davos?" Haha, herrlich. 

 

Hinter mir ein Hobbykommentator. Ein Ur-Davoser. Einer, der alles weiss über den Verein. Er war sogar der einzige im Stadion, der den Namen mitbrüllen konnte, nachdem die Nummer 84 den Pass zum Führungstreffer gegeben hatte. "Tomas Kundratek!" Die meisten anderen hatten erst jetzt bemerkt, dass sich ein neuer Söldner das HCD-Leibchen übergestreift hatte. 

 

Highlight der Partie: Die Hockeyschüler in der Pause. Das war herzig. Vor allem die Nummer 5. Von der Krabbelgruppe direkt aufs Eis. Schlittschuhlaufen konnte dieser Knirps noch nicht so gut. Ständig fiel er hin. Aber als er den Puck dennoch im Tor versenkte, applaudierten und johlten die Fans auf der Stehtribüne. Sehr schön. 

 

Das Spiel endete schliesslich mit einem deutlichen Sieg für Davos. So weiter machen, Jungs, dann kommt das gut. Und ich machte mich wieder auf den Heimweg. Zurück ins Appenzellerland.