Bin ich ein Snob?

Heute hätte ich gerne über meine entspannte Reise berichtet. Meine Reise in der 1. Klasse der SBB.

Lange habe ich mir geschworen, dass ich niemals nie 1. Klasse fahren werde. Ich bin ein Kind aus dem Arbeiterquartier und kein Snob.

 

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich habe nämlich meinen Vorsatz gebrochen! Dann und wann fahre ich 1. Klasse. Bin ich jetzt ein Snob? 

 

Bitte urteilen Sie nicht zu streng. In den Stosszeiten ist die 2. Klasse nicht immer ein schöner Ort. Es ist eng und ungemütlich. Und das Schlimmste: Es stinkt allenthalben nach Red Bull. Einmal schnüffeln und man stürzt sich mit dem Fallschirm vom Mond. Oder so.

 

Muss nicht sein. Drum 1. Klasse. Früher war die 1. Klasse ein Salon. Es gab Plüschsessel, Tee und Kaffee und die Wände waren mit der NZZ tapeziert. Ganz so feudal ist es heute nicht mehr. Die fürchterlichen Neige- und Doppelstockzüge haben der Bahn die Romantik genommen.

 

Heutzutage ist Bahnfahren wie ein Paar Velohosen: praktisch, aber unsexy. Statt übers Land zu tuckern, rasen die Züge heute durch Tunnels. Ausser in der Ostschweiz - dem bahntechnischen "Ballenberg". Der Ballenberg ist ein Freilichtmuseum mit historischen Häusern. Von Zürich nach Visp dauert die Fahrt zwei Stunden. Zwei Stunden für 200 Kilometer.

 

Die Fahrt von Zürich nach Herisau dauert anderthalb Stunden. Anderthalb Stunden für 80 Kilometer.

 

Kein Wunder heissen bei uns die Verbindungen Relax, oder war es doch Rex? Nun, keine Details. 

 

Denn eigentlich hätte ich ja gerne über meine Reise in der 1. Klasse geschrieben. Heute Morgen verkehrte aber ein Ersatzzug. Eine Sardinenbüchse. Selbst in der 1. Klasse herrschte Dichtestress. Fast wie sonst in der 2. Klasse. 

 

Aber immerhin soff niemand ein Red Bull.