Wie wir einem Welschen zu Hilfe eilten

Alter Silvester Urnäsch. Touristenmassen im Dorf - und in den Beizen.

 

Ich war auch unterwegs. Habe einen ganzen Marathon zurückgelegt. Von Haus zu Haus. Wie die Silvesterchläuse.

 

Zwischendurch war ich noch auf der Schwägalp. Für einen Augenschein zwei Tage nach der Lawine. Reporter halt. Die Stimmung war noch speziell. Es hatte Nebel und es war ganz ruhig. Ganz anders als noch vor einigen Tagen, als wir auf dem Laternliweg waren. Von der Lawine sieht man schon nicht mehr viel. Es gibt noch umgeknickte Tafeln und Bäume. Die beschädigten Fenster sind behelfsmässig abgesperrt. 

 

Vor dem Hotel türmen sich riesige Schneemassen. Die Strasse und die Parkplätze sind geräumt. 

 

In dieser Stille auf der Schwägalp lag irgendwie Erleichterung. Bald dürfte aber wieder der Alltag einkehren. Die Leute zurück sein.

 

Schwägalp am 12. Januar 2019. 2 Tage nach dem Lawinenniedergang.
Schwägalp am 12. Januar 2019. 2 Tage nach dem Lawinenniedergang.

 

Zurück ins Tal, an den Alten Silvester. Wir konnten auch einen der begehrten Plätze in einer Beiz ergattern. So nahe habe ich diesen Brauch noch nie erlebt. Die Chläuse hatten wir direkt vor unserer Nase. Die Schellen sausten nur knapp an uns vorbei. Berührend ist es, wenn die Silvesterchläuse die Beleuchtung an ihren Hauben anzünden und das Licht im Raum gelöscht wird. Zusammen mit dem Zäuerli ergibt das eine Atmosphäre, die man als häämelig bezeichnen könnte. 

 

Vis-a-vis von uns haben sich Welsche hingesetzt. Ein älteres Ehepaar. Sie bestellte einen "Vin chaud" und erhielt das serviert, was die Welschen sonst auch immer trinken: einen kalten Weissen. Er bestellte eine Appenzeller Siedwurst mit Chäshörnli. "Bon choix, Monsieur hä!" Mehr Konversation lag nicht drin. Wir mussten ja den Zäuerli lauschen. Und vielleicht lag es auch ein klein wenig an unseren eingerosteten Französischkentnissen. 

 

Im Appenzellerland braucht man liberament selten Französisch. 

 

Wir sahen uns dann aber doch noch zum Eingreifen genötigt. Und zwar, weil der Welsche die Siedwurst nicht schälte. Sehr wahrscheinlich ist es kein Problem, die Wurst samt Haut zu essen. Aus irgendeinen Grund werden die Siedwürste aber geschält. Und so schauten wir Einheimischen uns zuerst etwas ghüslet, mit verwunderten Blicken, an. Als der Welsche dann aber auch noch seiner Frau ein Rädli zur Degustation anbot, mussten wir handeln. 

 

Am Schluss wären die Auswärtigen sonst noch mit einem völlig falschen Eindruck von dieser Wurst - sowie etwas Rinderdarm zwischen Zähnen - nach Hause zurückgekehrt. Das musste verhindert werden. Aber wie sagt man "Sie müssen die Wurst schälen" auf Welsch?

 

Mit vereinten Kräften und Zeichensprache konnten wir die Misere schliesslich beenden.

 

Tja, da haben es die St. Galler einfacher. Ihnen reicht: "Sans Senf!"