Tintenjunkie bleibt im Trockendock

Neues Jahr, neuer Spleen. Und schuld ist unser Landammann. Für das Wahlporträt besuchte ich ihn (mehr dazu nächste Woche im Regionaljournal Ostschweiz) kürzlich in seinem Büro. 

 

Ich suchte mit den Augen auf seinem Pult nach einem teuren Fülli, mit welchem er die wichtigen Dokumente unterschreibt. Kennt man doch aus den Nachrichten. Wenn die Mächtigen dieser Erde mit einem funkelnden Artgenossen des Pelikans ihre Initialen in ein dickes Buch setzen. 

 

Bei mir hat sich der Füller nicht nachhaltig durchgesetzt. Er streikt immer wieder beim Schreiben und er braucht ständig Nachschub dieser Tintenjunkie. Und so kommt halt meistens der Kugelschreiber zum Einsatz. 

 

Des Ausserrhoden Landammanns liebstes Schreibgerät ist allerdings ein Bleistift. 

 

Der Bleistift ist etwas vom Ersten, was ein Erstklässler in die Hand gedrückt kriegt. Er begleitet einen durch die ganze Schulzeit, bis man irgendwann auch Kugelschreiber verwenden darf. Danach schreibt doch niemand mehr mit dem Bleistift. Ausser unser Landammann. Denn der Bleistift habe einen grossen Vorteil. Man könne das Geschriebene wieder gümmelen. 

 

Zurück in im Büro habe ich mich in eine unbeobachtete Ecke zurückgezogen und den Bleistift zur Hand genommen. Genauer betrachtet ist er ein schönes Schreibgerät mit seinem Ferrari-Rot. Schön ist er vor allem, wenn er noch neu und gespitzt ist. 

 

In der Schulzeit haben wir jeweils auf dem Bleistift herum gekätscht, als hätten wir wochenlang nicht zum Beissen erhalten. Ich weiss nicht, ob das in der Regierung immer noch so ist. Ob der Landammann beim Brüten über irgendwelchen Gesetzen am Bleistift knabbert. Item, alles muss man ja auch nicht so genau wissen. 

 

In meinem unbeobachteten Eck habe ich dann ein paar Sätze geschrieben. Und ja, im Gegensatz zum Fülli funktioniert der Bleistift immer. Das ist praktisch. Bloss wird er zwischendurch stumpf. Und das mit den Spitzern ist so eine Sache. Sie sind wie Kondome 

 

Tintenpatronen: Nie da, wenn man sie braucht. 

 

Und wenn man dann doch einen zur Hand hat, gibt es immer eine grosse Sauerei, weil das meiste neben dem Abfalleimer landet. 

 

Solche profanen Probleme hat ein Landammann hoffentlich nicht. Bestimmt hat er einen Weibel, der ihm das Werkzeug immer perfekt präpariert. Notfalls mit dem Landsgmeindssäbel. 

 

Meine Lieblingsspitzer sind diese kleinen Wundermaschinen, die an Drehorgeln erinnern. Als nicht, weil sie "Berliner Luft" spielen können, sondern weil man vorne den Bleistift reinstecken kann und hinten drehen wie bei einer Orgel. Spitziger als mit diesen Spitzmaschinen kriegt man Spitze nicht hin. Oft sind die Bleistifte dann so spitze, dass beim Schreiben der Spitz abbricht. 

 

Was ich damit sagen will: Ich schreibe zur Zeit ziemlich oft mit dem Bleistift. Wer also mal Bedarf ein einigen persönlichen Zeilen hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich schreibe dann ein handgeschriebenes Kärtli. 

 

Und wem mein Geschreibsel dann nicht passt. Don't worry. Man kann es gümmelen.