Mein Tag als König

Dreikönigstag. Und. Yes. In diesem Jahr habe ich die Krone ergattert. 

 

Das hat mir unendliche Möglichkeiten geboten. Ein König hat weitreichende Kompetenzen. Ich hätte, die Familie zum ausgedehnten Spaziergang aufbieten, das Gamen verbieten oder etwas mit ganz viel Gemüse wünschen können. Ja, als König hätte ich das machen können. 

 

Oder ich hätte Steuern einfordern, eine Rückenmassage verlangen oder ein Tag ohne Streit wünschen können. 

 

Bevor ich mich jedoch aufs Sofa zum Nachdenken über meine Ziele zurückziehen konnte, flennte schon die halbe Belegschaft am Zmorge-Tisch. Deshalb dankte ich schnell wieder ab. Und schenkte die Krone meiner Tochter. 

 

Ein König mit Herz. 

 

Stattdessen ging ich nach draussen. Schaufeln. Heute schneite es. Heavy Snow. Gut zum Schneemann bauen, schlecht zum Schaufeln. Da schwer. Verdammt schwer. Uff, war das ein Krampf. 

 

Der Winter ist schön. Vor allem mit Schnee. Es gab eine Zeit, da mochte ich den Winter nicht so. Weil kalt und dunkel und mühsam. Mit den Kindern kam die Versöhnung. Die sind einfach so quietschvergnügt, wenn es schneit. Dann können sie draussen schaufeln und schlitteln und Engel in den Schnee machen. Schön. 

 

Und wenn die Sonne scheint, sind solche Wintertage mit Schnee besonders schön. Vor allem in den Bergen. Auf der Skipiste. Und auch im Garten kann man viel Spass haben. 

 

 

Sogar das Schaufeln macht Spass. Am Sonntagmorgen. Etwas Frühsport. Bewegung an der frischen Luft. Was will man mehr. Auch ein König kann nicht mehr haben. 

 

Was würde ich tun, wenn ich wirklich König wäre? Denn stellt man sich ja so als grosses Wunschkonzert vor. Wo aber nur einer bestimmt, welche Musik gespielt wird. Wobei das wohl das in der Wirklichkeit nicht ganz so ist. Ich meine, Gross Britannien müht sich mit dem Brexit ab. Ein demokratischer Entscheid. Nichts von oben Verordnetes. 

 

Was tut die Königsfamilie in England eigentlich so den ganzen Tag ausser schrille Hüte tragen, im Schloss wohnen und für Schlagzeilen in den Klatschheften sorgen? Ich weiss es nicht. Ich lese keine Klatschhefte. 

 

Aber irgendeine Daseinsberechtigung wird die Königsfamilie schon haben. Bloss läuft es dort definitiv anders als bei uns zu Hause. Die Queen schenkt ihre Krone nicht so schnell her. Und Schnee schaufeln muss sie auch nicht. 

 

Bloss Tee trinken und nachdenken und vielleicht heimlich davon träumen, einem Paparazzo ganz frech einen Schneeball anzuwerfen. Wer weiss.

 

Vor meinem Schloss steht kein Paparazzo. Bloss hie und da ein Auto vor dem Gartentor.  

Was soll man von solchen Leuten halten? Da es sich um einen Firmenwagen handelt, würde ich mir als Chef Gedanken machen. Entweder leidet dieser Mitarbeiter an Gedankenlosigkeit oder aber es mangelt ihm an Respekt. 

 

Wäre ich ein König, die Bobbies vor dem Palast würden ihm vermutlich in den Arsch treten.