Ausschlafen? Nein. Fussball!

Samstagmorgen. Ausschlafen? Nein. Fussballturnier. Treffpunkt um 7.30 Uhr in der Kreuzbleiche in St. Gallen. Immerhin: Das verheisst Gutes. In der Kreuzbleiche findet immer um diese Jahreszeit mein Lieblings-Hallenturnier statt. Das Regiomasters. 

 

Die Kreuzbleiche ist eine grosse Sporthalle. Mit Tribüne. Das ist entscheidend. Die Eltern können sich gemütlich hinsetzen. In vielen anderen Hallen muss man sich an die Wand quetschen. 

 

Zudem sind die Organisatoren vom FC Fortuna Profis. Viele Vereine behalten die Mannschaften möglichst lange am Turnier. Damit die Festbeiz gute Umsätze macht. Fortuna gehört aber zu den Vereinen, die einen anderen Weg wählen. Das Turnier dauert für die Kinder bloss gut zwei Stunden. Statt zwischen den Spielen stundenlang zu warten, können so die Kinder: spielen, spielen, spielen. Sehr gut. 

 

 

Und die Festbeiz wird trotzdem frequentiert. Ausser von mir. Ich trinke zur Zeit keinen Kaffee. Neujahrsvorsatz. 

 

Das Turnier ist eine Art Familientreffen 

 

Das Regiomasters gibt es schon viele Jahre. Und ist sowas wie ein grosses Familientreffen. An den zwei Turniertagen stehen jeweils alle Vereine aus der Region im Einsatz. Von den Grossen bis zu den Kleinen. Das ist echt toll. Man trifft immer viele Leute.

 

Das Turnier ist auch top organisiert. Auf der grossen Anzeigetafel werden immer die nächsten Partien angezeigt. Es gibt fetzige Musik. Einen Speaker. Kinderkrippe. Festwirtschaften. Ach, wären bloss andere Turniere auch so. 

 

Seit Kindesbeinen an bin ich an solchen Turnieren. Erst als Sportler. Dann als Trainer. Jetzt als Vater. Und: Eigentlich habe ich so überhaupt keine Lust mehr, den ganzen Tag in diesen stickigen Turnhallen zu verbringen. Schon gar nicht, wenn dabei der ganze Tag drauf geht. 

 

Hauptsache, die Kinder haben Spass

 

Den eigenen Sohn spielen zu sehen, ist toll. Deshalb ab in die Halle. Allerdings fiebere ich nicht mit der gleichen Betriebstemperatur mit, wie manch andere. Mein Credo: Hauptsache, die Kinder haben Spass. Sie sind noch klein und sollen mit Freude spielen. Natürlich macht gewinnen Spass. 

 

Artikel im Blick über Yago Bellon, der zum Nachdenken anregt.
Artikel im Blick über Yago Bellon, der zum Nachdenken anregt.

Ich habe das Turnier mit meinen Junioren auch einmal gewonnen. Entscheidender sind andere Sachen. Gerade gestern hatte es im Blick einen Artikel über die Bellon-Brüder. Sie waren vor Jahren DIE Fussballtalente in der Ostschweiz. Den Durchbruch schafften sie nicht. Im Artikel steht, dass die Brüder gar keinen Spass mehr am Fussball hatten, weil sie vom Vater so gedrillt wurden. Bedenklich. 

 

Das ist den Ehrgeizlingen egal

 

Die Bellons dürften keine Ausnahme sein. An den Turnieren sieht allenthalben Eltern, die ihre Kinder pushen. Sie steuern ihre Kinder wie Roboter über den Platz.

 

Aber auch das ist schön in der Kreuzbleiche. Die Eltern bleiben weg vom Platz. Sie sind auf der Tribüne. So haben die Kinder wenigstens etwas Ruhe vor ihren überehrgeizigen Eltern. Bedauerlicherweise sieht man sonst an vielen Turnieren, Eltern die sich rund um den Platz verteilen. Sogar dann, wenn der Platz extra mit Absperrband abgesperrt wurde. Das ist doch den Ehrgeizlingen egal.

 

Jeder ist willkommen

 

Eine unschöne Entwicklung. Den meisten Vereinen fehlt auch die Kraft, sich gegen diese Entwicklung zu wehren. Verständlicherweise. Es müsste ja permanent jemand den Polizisten spielen. Im ehesten im Griff hätten das die Trainer. Freilich sind die Vereine froh, wenn sich überhaupt jemand als Trainer zur Verfügung stellt. Heisst: Jeder ist willkommen. Ob geeignet oder nicht.

 

Egal. Solang mein Sohn Spass an der Sache hat, lasse ich ihn mitmachen. Auch wenn das heisst, am Samstagmorgen früh aufzustehen und den Tag in einer stickigen Halle zu verbringen.  

 

Have a nice day!