Mein 2018 - Teil 3: Mein Hobby

Der schönste Platz im Stadion. Der Platz des Speakers.
Der schönste Platz im Stadion. Der Platz des Speakers.

Herisau sei ein Hockeydorf. Sagt man. Früher, in den 80er- und 90er-Jahren, stimmte das ganz bestimmt. Unser Verein spielte in der zweithöchsten Liga, in der NLB. Das war damals noch was. In den Sportsendungen wurden die Resultate durchgegeben und in der nationalen Sportzeitung und seltener auch im Blick hatte es Berichte über den SCH. Ich las alles, was mir in die Finger kam. Zum Glück war meine Grossmutter Kioskfrau. 

 

Mein erstes Spiel, das ich mitverfolgte, war Mitte der 80er-Jahre. Ein Testspiel gegen Rapperswil-Jona. Hui, war das spannend. Mein Vater und ich sassen auf den alten Holztritten der Stehtribüne und ich zwickte mich die ganze Zeit vor Aufregung in die Oberschenkel. Rapperswil- Jona war in den Anfangsjahren der Erzfeind. Erst später tauchten dann Uzwil und Thurgau auf. 

 

"Wir sassen auf den Holztritten

und ich zwickte mich

in die Oberschenkel vor Aufregung."

 

Meine Lieblingsspieler waren immer die Kanadier: Leblanc, Nethery, Terry und wie sie alle hiessen. Ausserdem gab es einige Herisauer, die in die grosse Welt hinausgezogen waren, sprich zum damaligen Branchenleader HC Lugano, und Erfolge feierten. Allen voran Jörg Eberle.

 

Nicht einmal Del Curto konnte Wunder bewirken

 

In der Freizeit chnebleten wir fast pausenlos. Selten auf der Eisbahn, häufiger auf dem Teerplatz. In der Halle ergatterten wir die kaputten und ausrangierten Stöcke unserer Helden. Die defekten Kellen ersetzten wir durch ein Plastikteil und lieferten uns danach epische Schlachten.  

 

Ab und zu durfte ich mit meinem Vater sogar an ein Auswärtsspiel nach Bülach oder Lyss oder einmal sogar ins grosse Hallenstadion zum ZSC. Die Zürcher spielten damals noch im B und trafen in den Playoffs auf den SCH. Bei den Appenzellern stand ein gewisser Arno Del Curto an der Bande. Wunder konnte er keine bewirken. Der SCH tauchte glaubs mit 11 zu irgendwas. Als wäre das nicht schlimm genug, sass auch noch einer neben uns, der den ganzen Abend "Herisau, sau, sau, Herisau, sau, sau..." rief. 

 

Mächtig beeindruckt war ich, dass uns eine Polizeieskorte von der Autobahn abholte. Tja. Tempi passati. Ende der 90er-Jahre schaffte es der SCH sogar bis ins A. Danach ging es runter: Pleiten, Pech und Pannen. Inzwischen hat sich der Verein wieder erholt und spielt in der 1. Liga. 

 

Jetzt sorge ich für die Musik 

 

In diesem Jahr erhielt ich die Anfrage, ob ich Speaker werden will. Natürlich musste ich nicht lange überlegen. Da habe ich gerne zugesagt. Und bis jetzt darf ich sagen: Es macht eine Menge Spass. Auf dem Feld ist meistens Action, im Zeitnehmerhäuschen geht es lustig zu und her - und ich darf die Musik bestimmen.

 

Ich nehme mir jeweils einen Abend Zeit und stelle das Programm akribisch zusammen. Die Reaktionen reichen von Lob bis "die Musik heute ist Mist". Egal. Die Musik zusammen zu suchen, ist auch eine Horizonterweiterung. Ich klicke mich jeweils durch alle möglichen Rubriken von Spotify & Co. Da gibt es allerhand zu hören. 

 

Und in der Pause geht es um die Wurst 

 

Alleine diese musikalische Horizonterweiterung macht Spass am Speaker-sein. Was mir auch gut gefällt an meinem neuen Hobby: Es gibt keine nervigen Sitzungen. Bloss iPad einstecken, Mikrofon anstellen und los geht's. Und mein Vater hat sich auch ein schönes Ritual einfallen lassen. Immer in der ersten Pause bringt er mir eine Bratwurst. Dann sitzen wir da, essen die Wurst und geniessen den Abend. So wie damals vor dreissig Jahren.