Das Skelett im Kubel

Heute habe ich mich im Kubel umgesehen. Das ist das Gebiet im Loch unten zwischen St.Gallen, Stein und Herisau. Über das Tal führt das 100 Meter hohe Sitterviadukt der Südostbahn. Erbaut wurde es zwischen 1907 und 1910. Berühmt ist es vor allem wegen des 120 Meter langen Stahlträgers. 

 

Die höchste normalspurige Eisenbahnbrücke Europas gehört zu den Wahrzeichen der Stadt St.Gallen - aber nicht von Herisau. Dabei liegt ein Teil der Brücke auf dem Gebiet des "grössten Dorfs der Schweiz".  Sowieso nimmt man den Kubel in Herisau kaum zur Kenntnis. Obwohl es ein sehr interessantes Gebiet ist. Das liegt einerseits an den Brücken, andererseits an den Flüssen. Denn hier mündet die Urnäsch in die Sitter. 

 

 

Die Urnäsch entspringt auf der Schwägalp und ist von der Quelle bis zur Mündung rund 20 Kilometer lang. Die Sitter ist der grösste Nebenfluss der Thur. Die beiden Quellbäche der Sitter, der Wissbach und der Schwendibach entspringen im Alpstein und vereinigen sich bei der Ortschaft Weissbad zur Sitter (Wikipedia). 49 Kilometer weiter unten mündet sie bei Bischofszell in die Thur. 

Auch der St.Galler Brückenweg führt durch den Weiler. Kunststück.. Neben dem SOB-Sitterviadukt befinden sich im Kubel auch die Grubenmann-Brücke sowie die gedeckte Brücke über die Sitter. Und auch das SBB-Sitterviadukt befindet sich in Sichtdistanz. Mit 63 Metern Höhe ist sie etwas weniger spektakulär als die SOB-Brücke. Dafür verfügt sie über einen Fussgängersteg. Vom Gübsensee her kommend ist dieser eine gute Verbindung in die Stadt St.Gallen - auch mit dem Velo darf man den Steg befahren. 

 

Gewöhnungsbedürftig ist zurzeit der Anblick der Kabelbrücke über die Urnäsch - denn sie wird saniert. Erbaut worden ist sie im Jahre 1780 vom berühmten Teufner Baumeister Hans Ulrich Grubenmann. Bloss zwei seiner Brücken sind erhalten geblieben - die andere ist die Alte Tobelbrücke bei Hundwil, Einheimischen auch als sprechende Brücke bekannt. Die meisten anderen Brücken wurden beim Einmarsch von Napoleon zerstört. 

 

Apropos sprechende Brücke. Aufgrund der historischen Inschriften wird auch die Kabelbrücke so genannt. Zurzeit präsentiert sie sich quasi in abgespeckter Version. Sie ist bis auf das Skelett freigelegt und eingerüstet. Einige Eindrücke gibt es im Video. 

Der Ausflug in den Kubel lohnt sich also. Von Herisau aus erreicht man ihn von der Sturzenegg aus. Kurz nach dem Restaurant Bären geht es ins Loch hinunter. Der Fussmarsch dauert eine knappe Viertelstunde und ist auch gut mit Kindern zu bewältigen. Der Weg ist gut ausgebaut. 

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