Hey Dude

Alle drei Monate erhalten wir jeweils eine neue Praktikantin oder einen neuen Praktikanten. Wir sind jedes Mal aufs Neue gespannt, wer zu uns kommt. Keine Ahnung, wo der Verantwortliche die Leute auftreibt. Wir hatten schon einen aus Tokio, einen aus Russland und einer kandidierte sogar für den Nationalrat. Mit anderen Worten, es ist immer ein Erlebnis, mit diesen jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Die meisten sind nett, interessiert und gut ausgebildet. Da kann man nichts sagen. So schlimm scheint die heutige Jugend dann doch nicht zu sein. Erst einmal verschwand einer auf Nimmerwiedersehen, nachdem er auf Umfrage geschickt worden war – okay, es war ein regnerischer Tag. Wir hoffen, dass es ihm gut geht.

Auch unsere aktuelle Praktikantin macht sich gut. Allerdings, um hier etwas aus dem Nähkästen zu plaudern, haben wir bisweilen etwas Mühe, sie zu verstehen. Sie ist nämlich in der Stadt aufgewachsen und ihr Wortschatz ist für uns gewöhnungsbedürftig. So hat sie kürzlich am Bahnhof ­Herisau einen «Dude» gesichtet. Das ist nicht etwa ein Wörterbuch, sondern ein «verchillter Typ». Die Securitässler heissen heute «Secos» und wenn man etwas gäch in den Ausgang geht, «geht man steil».

 

Natürlich mag ich es, wenn sie so redet und uns Landmenschen neue Ausdrücke beibringt. So behalten wir den Anschluss an die Jungen. Im Gegenzug pauken wir jetzt mit ihr Appenzeller Dialekt und bringen ihr das hiesige Brauchtum näher. Also ihr Stadtmenschen, nicht baff sein, wenn demnächst ausserhalb der Olma-Zeit im Bermudadreieck oder im «Chlösti» zaured wird. Es ist bloss unsere Praktikantin.

 

Erschienen als Brosmete in der Appenzeller Zeitung vom 14. August 2017

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