Der schönste Ort der Welt

Man kennt das aus der Beiz. Der Kollege bestellt noch ein Bier und weil man sich keine Blösse geben will, tut man es ihm gleich. Vielleicht ist das einem in diesem Moment gar nicht bewusst, dabei ist der Fall klar: Man wurde Opfer eines Influencers. Wer jetzt bloss Bahnhof versteht oder an Grippe denkt: Als Influencer werden heutzutage Leute bezeichnet, die andere beeinflussen. In der Beiz enden solche Beeinflussungen in der Regel mit Kopfschmerzen. Im Netz hingegen mit einem Hype.   

Hype war - wir erinnern uns - eine griechische Göttin. 170 Zentimeter gross, braune Haare, wohlgeformte Figur und Augen wie Kastanien. Sie badete jeweils sonntags nackt im See. Anfangs war sie ganz alleine, doch dann sprach sich das in der Gegend rum. Immer mehr Leute erfuhren davon und erzählten sich die unglaublichsten Geschichten. Mit dem Effekt, dass alle Hype beim Baden gesehen haben mussten. Schon bald taten es ihr viele Männer gleich – und vorbei war es mit der Ruhe.

Bis zum heutigen Tage wiederholen sich solche Phänomene; zurzeit beispielsweise im Tessin. Seit ein Italiener vor einigen Wochen das Verzascatal mit den Malediven verglichen hat, wird Lavertezzo von Touristenhorden überrannt. Das Filmchen wurde millionenfach angeklickt. Beste Werbung. Doch das Dörfchen ist überfordert. Man möge wenigstens die Autos korrekt parkieren, bittet der Gemeindepräsident und freut sich wahrscheinlich schon auf die kühleren Tage, welche die Ruhe ins Dorf zurückbringen. 

 

Allerdings: Gezielt eingesetzt, können Influencer durchaus Positives bewirken. Wenn zum Beispiel mal einer daherkäme und das Spital Heiden mit dem schönsten Ort der Welt, dem Aescher, vergleichen würde - den Vorderländern wären Patientenmassen garantiert. Vielleicht würde sogar Roger Federer seinen Tennisarm dort auskurieren. Das gäbe zusätzlich Publicity. Vorbei wäre es mit den Negativschlagzeilen. 

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