Patent Ochsner

Ich hab da was entdeckt bei YouTube: Patent Ochsner live aus dem Alabama. Ich muss gestehen: Ich war damals 1995 auch am Konzert in München. Der "Blick" hatte Tickets verlost. Und so fand ich mich dann mit dem Fanclub in der ersten Reihe wieder. Freilich hatte es da noch viel grössere Fans darunter als mich. Solche, die kaum ein Konzert verpassten. Aber ich wäre ja kaum mitgefahren,wennnichtauch ich die Band ziemlich cool gefunden hätte. 

 

Mein erstes Patent-Ochsner-Konzert war 1992, vielleicht auch 93. In der Reithalle in St.Gallen. Bis dahin hatten wir andere Helden gehabt: Guns 'n' Roses, Metallica, Nirvana. Mundartrock war eher... Item. Das Konzert war dann aber richtig geil. Schräger Sound, coole Typen, sympathisch, warmherzig, rebellisch, verträumt. An viel kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern, ausser dass "Ochsner" auch Lieder von Peter Alexander und Fredy Quinn zum Besten gab. Übernachtet haben wir in der Drehtür des Bahnhofbuffets und die Band lieferte fortan den Soundtrack für viele Episoden in unserer Jugend.

 

1994 brachten Patent Ochsner eine hammerstarke Platte raus: "Gmües". Ich weiss noch, wie ich sie bei "Jecklin" gekauft habe. Früher ging man ja noch in den Laden und hörte sich durch die Scheiben. Man war immer gwundrig, was man entdecken würde. Manchmal war man enttäuscht, manchmal begeistert. "Gmües" hat sich gut angehört und Songs wie "Ludmilla" gehören 20 Jahre später zu den Klassikern, über die man sich freut, wenn sie von der Band an Konzerten gespielt werden.

 

Wobei, das letzte Konzert im Casino Herisau vor etwas mehr als einem Jahr hat mir nicht so gut gefallen. Der alte Zauber war verflogen. Alles wirkte etwas professioneller, routinierter und gelangweilter als Anfang der 90er-Jahre. Irgendwann kühlt sich halt fast jede Beziehung etwas ab. 

 

Aber: Ich mag viele Lieder immer noch und freue mich auch auf jedes neue Album. Jedesmal bin ich gespannt auf die Songs. Und jedesmal wieder hat es Songs mit eingängigen Melodien oder Texten. Im Gegensatz zu Züri West macht Patent Ochsner auch heute noch Songs, die Bestand haben. Gummiboum, Guet Nacht Elisabeth. Man kann immer noch so herrlich mitsingen. Das war wohl immer auch ein Teil der Magie, wenn alle miteinander Bälpmoos oder Bumpliz sangen. 20'000 am Open-Air St. Gallen. Rocker, Hippies, Hipsters. Alle zusammen. Volksmusik. Und wenn Büne Huber zu seinen Geschichten ansetzt...

 

Zweimal habe ich Büne getroffen. Das erste Mal nach dem Konzert im "Alabama". Ich habe ihn auch irgendeinen Quatsch gefragt. Verjährt. Etwas mehr schäme ich mich für die Begenung 2005. Wir hatten für ein Interview am Open-Air SG abgemacht. Dummerweise hat sich Büne aber den ganzen Tag nicht gemeldet und ich mit der Zeit ordentlich Weisswein intus. Irgendwann, es war wohl tief in der Nacht, ein Anruf. Sein Manager. "Büne hat jetzt Zeit". Also torkelte ich in den Backstage-Bereich und gab mein Bestes. Autsch. Aber hey, man ist ja schliesslich keine Unterarm tätowierte Pussy, sondern Rock 'n' Roller. Da muss sowas dringliegen. Jä nu, alles schönreden nützt nichts. Es war einfach peinlich. Seither wechsle ich die Strssenseite, wenn ein korpulenterer Typ mit Strohhut entgegenkommt. 

 

Dafür tanze ich heute am Morgen jeweils mit meinem Töchterchen zu "Angelina". Ein Song wie ein Räucherstäbchen. Man hört ihn und alles wird friedlich. Ohhm... 

 

Zum Schluss meine fünf Patent-Ochsner-Songs fürs Leben:

  • Ludmilla: Das Schrummen der Gitarre, der Blumentopf - Herzschlag meiner Jugend. Grandioser Text. 
  • Schlechte Verlüürer: Soundtrack im Tal der Tränen 
  • Angelina: Der Song tönt in der Wiederholungsschleife im Kopf besser als im Radio. 
  • Trybguet: "I liebe sie meh als mi..." 
  • Jänner: "I mache was i wott..."

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