Heute bretterte ich als Schlangenfrau auf der Ice Road das Rheintal runter

Symbolbild. Ich habe keine solch roten Hosen. Bild:  Nina Burri Contortion by R. Walter for Villars On Ice Show 2015.
Symbolbild. Ich habe keine solch roten Hosen. Bild: Nina Burri Contortion by R. Walter for Villars On Ice Show 2015.

Heute wurde ich in den Garten beordert. Ausgerechnet heute, wo sich der Winter zurückgemeldet hat. Auf der Fahrt das Rheintal runter fühlte ich mich heute Morgen wie einer der Ice-Road-Trucker. Das sind diese Typen mit langen Bärten und dicken Jacken, die über gefrorene Seen heizen irgendwo im Nirgendwo von Alaska, Kanada oder sonst einem Ort am Arsch der Welt. 

 

Selbstverständlich werden sie dabei von Kameras begleitet. Weil heute wird ja alles mit Kameras begleitet. Eine Frage der Zeit, bis es im Privat-TV eine Schweizer Version gibt. Männer mit seltsamen Kapuzen kreuzen dann auf gefrorenen Strassen durchs Muotathal. 

 

Da kommt mir in den Sinn. Um ein Haar wäre fast nichts aus meinem Trip ins Rheintal geworden. Die Parkplätze bei uns im Silberturm wurden nämlich von Karli Lagerfeld selig entworfen - also ziemlich skinny oder so. Jemand hat seinen Göpel dermassen nahe an meinen gestellt, dass ich auf der Fahrerseite nicht mehr einsteigen konnte. 

 

Ich habe mich dann selber Hexhex in Schlangenfrau Nina Burri verzaubert und den Weg via Beifahrerseite gewählt. Elegant geht anders. Aber immerhin habe ich es dann irgendwie hinter das Steuer geschafft. 

 

Zurück auf die Ice Road im Rheintal. Es stürmte wirklich beachtlich. Kurz nach St. Margrethen windete es mir sogar einen Einkaufssack unter den Karren. Ich glaube dort ist er immer noch. Bestimmt wickelt er sich in den nächsten Tagen um ein wichtiges Teil bis dann alles blockiert ist und das Auto Totalschaden hat. Liebe Mobiliar... Dann verklage ich die Migros knallhart auf einige Millionen Kumuluspunkte. 

 

Was gab es auf der Ice Road sonst noch zu beobachten. Die Thurgauer sind bereits auf Sommerpneus unterwegs; Lieferbusse können auch im Schneesturm schnell; Tom Gisler moderiert jetzt am Morgen. Dann hat man ja nicht so furchtbar pressant.

 

Im Radio haben sie heute auch das Rezept verraten für einen guten Schnitzelbank. Zwei unterschiedliche Themen miteinander in einem Vers verknüpfen und am Schluss eine selbstironische Pointe. Als Hörbeispiel wurde dann gebracht: Bei Shaqiri und Xhaka zeigen vo wo sie sind, sie kreuzen ihre Hände vor dem Shirt zum Basler-Dybli (der Vers geht natürlich nicht genau so, sondern das ist mir so in Erinnerung geblieben). Stellt sich die Frage, ob das das beste Beispiel ist für das oben genannte Schnitzelbank-Rezept.

 

Während der Fahrt das Rheintal runter hätte man ja eigentlich Zeit, über solche Sachen nachzudenken. Aber nicht heute. Heute musste man sich im Auto an die Linie klammern wie Feuz & Co. in Wengen beim Ziel-S.

 

In einigen Tagen wird das dann schon wieder vergessen sein. Dann klönen wir wieder über die Hitze.  .   

Wenn Rimini vor der Haustüre liegt

Sonntagmorgen. Zeit zum Ausschlafen. Das mögen auch die Kinder. Unter der Woche, wenn sie in die Schule müssen, liegen sie jeweils noch ganz verschlafen im Bett, wenn sie aufstehen müssten. Da ist es klar, dass sie am Sonntag ausschlafen wollen. Denkste. 

 

Gefühlt kurz nach 5 Uhr geht das Gehüpfe los in der Bude. Und schon bald schreien einem die Kinder ins Ohr: "Papi, gehen wir ins Hallenbad?" 

 

Selbstverständlich gehen wir ins Hallenbad. Schliesslich kann sich Papi kaum etwas Schöneres vorstellen, als am Sonntag ins Hallenbad zu gehen. Denn es hat dort nur etwa so viele Leute wie in Rimini an einem Sommertag. Und dann die vielen kleinen Kinder. Man kann sich bloss vorstellen, was alles im Wasser landet. 

 

Mit anderen Worten: 7000 innere Schweinehunde müssen überwunden werden, um sich das anzutun. Gegen aussen mimt man aber natürlich den Coolen. Packt die sieben Sachen und die Kinder ins Auto.

 

An der Kasse gibt es einen Monitor, auf welchem das Hallenbad zu sehen ist. Die Kinder haben eine Erkenntnis: "Papi, das hat aber viele Leute im Hallenbad."

 

Es hatte sogar so viele Leute im Hallenbad, dass fast keine Kabine frei war. Bloss eine. Als wir uns genauer umsehen, entdecken wir auf der Bank eine Damenbinde. So grusig.

 

Das wäre eigentlich Grund genug, wieder nach Hause zu gehen. Will man sich das Bad wirklich mit solchen Leuten teilen. Wäck!

 

Aber den Eintritt haben wir eh schon bezahlt. Also kämpfen wir uns zum Wasser vor. Im Warmwasserbädli hat es kaum Platz. Überall Schwimmflügeli, Mütter, Väter, Taucherbrillen. Die Kinder wollen sich aber unbedingt auch noch reinmosten. Denn im grossen Schwimmbecken ist ihnen das Wasser zu kalt. 

 

Was übrigens nicht nur ein Bluff ist. Der Grössere zittert wie Espenlaub im Bad. Ich musste ihn nach 30 Sekunden im kalten Wasser erlösen. Sonst wäre noch die Kesb mit der Seerettung angereist. Das wollte ich natürlich verhindern.

 

Deshalb ab ins Warmwasserbecken. wo die Kinder schon bald zu Toastbrotscheiben mutieren. Immer wenn sie den Kopf aus dem Wasser strecken, werden sie wieder untergetaucht. Irgendwie muss man sich ja beschäftigten. Das beobachten der Leute macht nämlich irgendwie nicht mehr so viel Spass wie früher im Freibad als wir noch jung und knackig waren. 

 

Inzwischen laufen wir schon alle etwas dem Leim. Fast alle Väter tragen einen Rettungsring um den Bauch. Und erstaunlich viele Mamis sind tätowiert. Hier eine Sonne auf der Schulter, da eine... ich weiss es gar nicht, hatte keine Lust mir das anzusehen. 

 

Ebenfalls erstaunlich. Sogar am Rimini-Familien-Sonntag hat es ganz gewöhnliche Leute im Hallenbad, die ihre Bahnen schwimmen wollen oder Wassergymnastik machen. Sie sind etwa so fehl am Platz, wie der Kirchenchor Oberfrutigen am Heavy-Metal-Konzert. Amen. 

 

Am Sonntag wird im Hallenbad geplanscht, gespritzt, vom Beckenrand ins Wassergehüpft, vom Sprungbrett die Arschbombe gemacht, die Kinder fünf Meter durch die Luft geworfen, gekichert, geschrien, Wasser geschluckt. Wer das nicht mag, sollte besser zu Hause bleiben. Auch Rimini ist nicht für jedermann. 

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