Der erste Barfuss-im-Garten-Tag

Karfreitag, eigentlich wären wir ja gerade woanders. Aber zuhause ist ja auch schön. Vor allem bei solchem Wetter. Endlich Frühling, wobei der Winter ja kein richtiger Winter war. Die Schneeschaufel war auf Kurzarbeit. 

 

Trotzdem ist es wieder schön, im Garten zu sitzen. Shirt, kurze Hose, barfuss. Das ist Lebensqualität. Es soll ja Leute geben, die jetzt ihre Schuhe in den Schrank stellen und bis im Herbst mit nackten Füssen unterwegs sind. Ob das in den Städten auch Mode ist, weiss ich nicht. Durchaus vorstellbar, würde ja zu einem Vegan-minimalistischem-plastikfreien-Lifestyle passen. Nichts gegen das. Gibt es auf dem Land ja auch. Bei uns in der Nähe gibt es sogar einen Barfuss-Wanderweg. 

 

Woher aber kommt eigentlich diese "Mode"? Was sind eigentlich die Wurzeln? Barfuss laufen gilt als gesund. Kaum einer weiss aber den Ursprung. Allerdings: Bei uns in der Gegend erzählt man sich aber folgende Geschichte: 

 

Vor langer Zeit lebte einmal in den Appenzeller Hügeln ein Mann. Es soll ein nicht allzu beliebter Zeitgenosse gewesen sein. Die Leute hüteten sich, an seinem Haus vorbei zu spazieren. Der Mann war ein Choleriker, der auch ohne Grund an die Decke ging. Wenn ihm die Spaziergänger einen schönen Tag wünschten, schimpfte er zurück, das gehe sie einen Dreck an, ob er einen schönen Tag habe. Einer Schulklasse soll er sogar einmal mit dem Holzprügel nachgesprungen sein, weil einige Kinder ihre Hände im Brunnenwasser kühlten. 

 

Man wunderte sich im Tal unten, wie es der Mann geschafft hatte, eine Frau zu finden. Noch dazu eine, die hübsch und herzlich war. Eigentlich war sie das komplette Gegenteil von ihm. Sie liebte zwar ihren Mann, hatte es aber nicht einfach mit ihm. Sie konnte ihm nichts recht machen. Ständig hagelte es Kritik. Das Essen war nicht gut, das Haus zu wenig sauber geputzt, der Garten zu wenig gepflegt. 

 

Die Frau ertrug das ständige Genörgle geduldig, litt aber zusehends darunter. Sie träumte von einem besseren Leben. Einem Leben, das sie nicht mit einem bösen Mann teilen musste. Erst getraute sie sich nicht vor diesem Schritt. Eines Tages, als er wegen ihrer neuen Frisur meckerte, hatte sie genug. Sie verliess ihren Mann und sagte: „Weil Du mich immer so ploget hast, nehme ich alles mit, was mir in die Finger kommt.“ So kam es, dass sie  selbst seine Schuhe einpackte. 

 

Der Mann war zorniger als je zuvor. Er verschanzte sich in seiner Wohnung. Wo sollte er auch hin ohne Schuhe? Er hatte viel Zeit zum Nachdenken. Erst waren seine Gedanken von der Wut umhüllt. Je tiefer er in sich hinein horchte, desto klarer wurden sie jedoch. Von Tag zu Tag, von Monat zu Monat liess seine Wut nach. An einem schönen Frühlingstag blickte er aus dem Fenster, sah die Blumen auf der Wiese, den Himmel, die Bäume. „Scho no schön“, dachte er sich, und dass er ja mal nach draussen gehen könnte. Es sei bestimmt genug warm, ohne Schuhe ausser Haus zu gehen. Und so trat er alsbald barfuss vor die Tür. 

 

Wie schön es war, wieder draussen zu sein. Die wärmende Sonne auf seiner Haut, der sandige Boden, das Zwitschern der Vögel, der Wind. Er tankte neuen Lebensmut. Die ersten Tage bewegte er sich nur ums Haus herum. Mit der Zeit vergrösserte er jedoch seinen Radius. Irgendwann war er auch wieder im Dorf unterwegs. 

 

Die Leute zuckten zusammen, als sie ihn, den zornigen Mann, sahen. Noch dazu sah er etwas wunderlich aus: wilde, ungekämmte Haare, das Hemd aus der Hose, ohne Schuhe, barfuss. Es getraute sich aber niemand, ihn anzusprechen. Schliesslich wollte niemand den Ärger auf sich ziehen. Der Mann allerdings schien gar nicht mehr zornig zu sein. Nie kam ein böses Wort über seine Lippen. 

 

Und so kam es, dass eines Tages – es war schon fast im Herbst – jemand, man sagt, es sei die Bäckerin gewesen, ihn fragte, wieso er immer barfuss unterwegs sei. Er soll geantwortet haben: „Won i kei Schueh meh gha ha, bin i gsond worde!“

 

Tja, und bald darauf galt als gesund, ohne Schuhe zu laufen. Und das ist heute noch so. 

Schande über mich

Dieser Tage ist man ja auf seine Gerätli angewiesen: IPhone, Ipad, Laptop und auf all die praktischen Apps wie Skype. Und immer, wenn man so eine App nutzen will, kann es kompliziert werden - vor allem dann, wenn es schnell gehen sollte. 

Gestern wollte ich zum Beispiel hurtig Skype aufschalten auf dem Handy. Plötzlich musste ich aber einen Code eingeben. Bloss wurde mir dieser Code partout nicht gesendet. Das führte in der Folge quasi zur Wiederentdeckung von Atlantis. Jo ebe gäll, Atlantis, diese Stadt, die eines Tages in den Fluten versunken ist. 

Nicht gerade in den Fluten versunken, aber in Vergessenheit geraten ist eines meiner Mailkonten info@patrikkobler.ch. Weil ich eigentlich nicht damit gerechnet habe, dass ich viel Post an diese Adresse erhalten werde, schliesslich habe ich die Adresse - vermeintlich - auch nicht gross publiziert. 

Langer Rede, kurzer Sinn: Jedenfalls wurde ich nach etwa dreissig Minuten herum finöggelen auf Skype, höflich dazu aufgefordert, doch tamisiech mal im Mailfach info@patrikkobler nachzusehen. 

So wie wahrscheinlich seit x-tausend Jahren Forschertrupps nach Atlantis suchen, musste ich mir überlegen, wie wohl der Zugangscode zum Postfach ist - und wie man überhaupt in dieses Webmail hineinkommt. Google sei dank - klappte das dann aber. Und Überraschung: Im Posteingang hatte es ganz en Hüüfe Mails. Attraktive Hotelangebote aus dem Tirol und afrikanische Prinzen, die mich mit Geld beschenken wollten - Fuck hätte ich das mal eher gesehen - aber eben auch ganz viele nette Mails, die ich nie beantwortet habe. Zuschriften, die mir für Beiträge danken wollten, Anfragen für Moderationen und Kurse oder einfach auch nur Leute, die sich erkundigen wollte, wie es mir so geht. 

Schande über mich!!!

Es tut mir so leid, dass ich diese Mails nicht gesehen habe. Und vor allem auch, dass ich keine Antwort gegeben habe. Das jetzt überall nachzuholen, ist nach all der Zeit wahrscheinlich vergebliche Liebesmüh. 

Aber ich gelobe, dass ich künftig ein Auge auf dieses Mailkonto haben werde. Also her mit der Post. Ich freue mich über Zuschriften auf info@patrikkobler.ch Und ich garantiere: Es gibt sogar eine Antwort. 

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